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Mittwoch, 28. November 2012

Die PKK in Deutschland

Es gibt keine "gute" oder "böse" Gewalt. Keinen "guten" oder "bösen" Terrorismus. Allerdings besteht so etwas wie ein berechtigtes Anliegen. Junge Kurden laufen in die Arme der PKK-Terroristen, weil sie davon überzeugt sind für Freiheit und Gleichheit zu kämpfen.

Junge Türken laufen  in die Arme rechtsextremistischer türkischen Organisationen, weil sie glauben, dass Türkentum vor äußeren und inneren Feinden verteidigen zu müssen.

Die kurdische PKK ist in Deutschland verboten, die türkischen "Grauen Wölfe" [Ülkücü] sind erlaubt. Die einen Morden für die Freiheit, die anderen für ihr Volkstum. Warum die einen erlaubt und die anderen verboten sind, die einen hoffiert und die anderen isoliert werden, lässt sich nur mit einer perfiden Politik begründen. 
"Deutschland ist für die PKK ideales Rückzugs- und Rekrutierungsgebiet, denn hier lebt Europas größte kurdische Exilgemeinde, sie umfasst etwa 800.000 Menschen. [...] 'Er verkörpert den Drang des kurdischen Volkes nach Freiheit', erzählte etwa der 22-jährige Azad Bingöl vor einigen Tagen in München. Mit Freunden hatte er in der Innenstadt ein Zelt aufgebaut, zwei Tage lang fasteten sie öffentlich - aus Solidarität mit den Hungerstreikenden in der Türkei. Von Apo, wie viele Kurden den PKK-Führer nennen, schwärmte Bingöl: "Ohne Öcalan wird es keine friedliche Lösung des Kurdenkonflikts in der Türkei geben" 

Rebellen vor der Haustür
http://www.sueddeutsche.de/politik/verbotene-kurden-partei-pkk-rebellen-vor-der-haustuer-1.1528764

Donnerstag, 2. August 2012

Eser Polat - Ich sehe was, was Ihr nicht seht!

"Ich sehe was, was Ihr nicht seht: Gedanken über die Selbstverständlichkeit der Freiheit."

Gerade schreibe ich an einem Buch. Tut heute ja schließlich jeder. Der Arbeitstitel lautet „Deutschland seni seviyorum! 10 Gründe weshalb ich Deutschland liebe“.

Im Vorfeld habe ich mich gefragt: Wirst du auf 10 Gründe kommen? Würden dir überhaupt 10 Gründe für irgendetwas einfallen? Zum Beispiel 10 Gründe, weshalb du deine Freundin liebst oder 10 Gründe, weshalb du nicht Bürgermeister von Hoyerswerda werden möchtest. 10 Gründe, warum du auch weiterhin Mitglied der FDP bleiben solltest.

Die Ausgangsfrage konnte ich, um ehrlich zu sein, sehr schnell mit einem eindeutigen „Ja“ beantworten. Ja, mir fallen 10 Gründe ein, weshalb ich Deutschland liebe. Mindestens. Ebenfalls 10 Gründe habe ich für meine FDP Mitgliedschaft gefunden – dies nur am Rande. Es war nicht diese deutliche Antwort, die mich überraschte und ins Grübeln brachte, sondern vielmehr die Zusammensetzung der 10 Gründe.

Nahezu alle 10 Gründe, weshalb ich mein Land, Deutschland liebe, hängen mit Grundwerten zusammen. Grundwerte, die teilweise in unser Grundgesetz geschrieben wurden, um Gültigkeit bis in alle Ewigkeit zu haben. Und die zu einem anderen Teil als unausgesprochene Grundsätze unser aller Zusammenleben in diesem schönen Land prägen. Als common sense, way of life, roter Faden, Leitfaden, Leitbild, Leitkultur und manchmal auch als Leidkultur.

Ich liebe Deutschland, weil meine alevitisch-türkischen Eltern die Freiheit hatten, mich als kleines Kind einem älteren, christlich-deutschen Ehepaar anzuvertrauen, wenn sie zur Arbeit gingen. Und dies, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.

Ich liebe Deutschland, weil ein älteres, christlich-deutsches Ehepaar die Freiheit hatte, sich um mich, den kleinen Türkenbengel zu kümmern, ohne dass es hierfür angefeindet wurde.

Ich liebe Deutschland, weil ich damals in meiner türkischen Grundschulmodellklasse in Nürnberg an Ramadan eine GROSSE, FETTE BIFI SALAMI verdrücken konnte, ohne dass meine Eltern wegen dieser sprichwörtlichen „Schweinerei“ von einer besorgten Schulleitung zum Rapport bestellt wurden. Ja, besonders an Ramadan schmeckt mir die Bifi halt besonders gut..

Ich liebe Deutschland, weil ich 1994 als 16-jähriger meine erste Presseerklärung herausgeben konnte, in der ich die Verfolgung und Unterdrückung der Aleviten in der Türkei schilderte, ohne dass mich Helmut Kohl in eine Umerziehungsanstalt gesteckt hat, weil er mich als Gefahr für die nationale Sicherheit sieht. Noch viel mehr liebe ich Deutschland, weil die Nürnberger Nachrichten mich ernst genommen und tatsächlich einen Artikel daraus gemacht haben.
Ich liebe Deutschland, weil es hier einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Geschichte gibt. Es gibt eine beeindruckende Gedenk- und Erinnerungskultur.