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Sonntag, 3. Mai 2015

Was Völkermord ist, bestimmt die Palästina-Lobby

von Erebuni


Was Völkermord ist, bestimmen wir. So lautet der Titel eines vor kurzem erschienenen Online-Artikels von Frau Evelyn Hecht-Galinski . In diesem Artikel nimmt sie den Gedenktag der Armenier am 24.  April zum Völkermord der Jungtürken vor genau 100 Jahren im Osmanischen Reich zum Anlass, um in endlosen wirren und einer unverständlichen Aneinanderreihung paranoider und verschwörungstheoretisch anmutender Ausführungen eine Anerkennung der vielen Völkermorde, die Israel angeblich seit 1948 an den Palästinensern begangen haben soll, einzufordern. (siehe: http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=21563)

Frau Evelyn Hecht-Galinski ist ihres Zeichens Autorin - so zumindest ihr Facebook-Status. Sie schreibt für die Neue Rheinische Zeitung, einem Online-Blog, der sich als Online-Zeitung mit deutsch-nationaler Aufmachung und antizionistischem Inhalt präsentiert und seinen Sitz in der Türkei, genauer in Datca/Mugla, hat. Der Name des Blogs trägt den Namen der einstigen Zeitung von Karl Marx, doch im Gegensatz zu ihm, haben die Autoren des Blogs mit Marxismus nicht im Entferntesten zu tun. Sie verbreiten lieber tagein tagaus anti-israelische und antisemitische Propaganda. 

In Wikipedia gibt es seit Jahren eine Löschdiskussion darüber, ob Hecht-Galinski überhaupt von Relevanz für das Online-Lexikon sei und nicht doch besser gelöscht werden sollte, da die gute Frau nur Hausfrau und die Tochter von Heinz Galinski ist. Ihrem selbstverlegten Buch „Das elfte Gebot“, in dem sie gegen Israel hetzt, verdankt sie es wohl, dass sie doch nicht aus der deutschen Wikipedia gelöscht wurde. 

Einige Auszüge aus ihrem letzten Post über den Genozid an den Armeniern zeigen, wessen Geistes Kind Evelyn Hecht-Galinski ist: 

„Was soll also die Fokussierung auf die Aghet? Um die Türkei in ihre "Schranken" zu weisen? Denn auch die Türkei hat sich ja für das Massaker an den Armeniern entschuldigt! Auch hat die Türkei, was gerne verschwiegen wird, schon lange zu diesem Völkermord alle Archive für eine unabhängige Historikerkommission uneingeschränkt zur Verfügung gestellt.“

Jedem, der sich bereits mit der Leugnungspolitik der Türkei auseinandergesetzt hat oder damit konfrontiert wurde, fällt auf, dass hier nur noch die Dolchstoßlegende fehlt. Alles weitere ist die gescheiterte Propagandalinie der Türkei.

Das verwundert nicht, wenn man sich ihre bisherigen politischen Aktivitäten anschaut. Es wird erkenntlich, dass sie blind gegenüber den Opfern ist, die nicht in ihr Täter/Opfer Profil passen wollen. Auffällig ist die Religionszugehörigkeit der von ihr titulierten Opfer in ihrem Beitrag. Sie spricht nur von muslimischen Opfern der Konflikte in Syrien und im Irak. 

„Und wann kommt das ausgiebige Gedenken für die nicht-christlichen Opfer, also z.B. die muslimischen weltweit? Was ist mit dem Irak, wo inzwischen mehr als 665.000 Menschen getötet wurden?“

Dass dort ein Exodus der christlichen Minderheiten, der seinesgleichen sucht, stattfand und stattfindet, spielt in ihrem Weltbild keine Rolle. Diese Tatsache würde auch ihre Argumentationslinie stören, ja gar zerstören. Wahrscheinlich weiß die angebliche Nahost-Expertin gar nicht, dass die beiden Länder große christliche Bevölkerungsteile besaßen, Gemeinschaften, die gerade u. a. wegen des Genozids vor 100 Jahren in Syrien und im Irak als Nachfahren der Überlebenden lebten und zurzeit gezielten Anschlägen ausgesetzt sind. 

Sie wirft Gauck vor, er würde nur der Armenier gedenken, weil diese Christen seien, und dabei die muslimischen Opfer im Irak und Syrien ignorieren. 
"So macht es schon stutzig, dass ausgerechnet Papst Franziskus die Katastrophe für die Armenier und die Geschehnisse im Osmanischen Reich als "ersten Völkermord" im 20. Jahrhundert bezeichnet und danach ein ökumenischer Gottesdienst am 23. April in Berlin mit einer Rede von "Pfarrer Gauck" stattfand! Also muss man schon die Frage stellen: Warum wird der Leiden der Christen gedacht, während die Leiden der Muslime außen vor bleiben?"

Gauck hatte bei einem Gedenkgottesdienst am 23. April 2015 im Berliner Dom an die Opfer des Genozids an den Armeniern vor hundert Jahren im Osmanischen Reich gedacht. Im Jahr 1915 wurden in der Nacht zum 24. April die armenischen Eliten in Konstantinopel, insgesamt 613 Schriftsteller, Geistliche, Musiker, Anwälte, Politiker, Journalisten, verhaftet und anschließend ermordet. Dieser Tag markiert den Beginn des Genozids an den Armeniern. Mit der Ermordung der geistigen und kulturellen Elite war der Weg frei geworden für die Ermordung von 1.5 Millionen Armeniern und 300000 Aramäern, die grausam abgeschlachtet oder in der Wüste dem Tod ausgeliefert wurden. Täter waren muslimische Kurden und Türken. 

Wer sich nun über ein Medieninteresse zum 100. Jahrestag wundert, und die Gedenkveranstaltung zum Genozid an den Armeniern zum Anlass nimmt, um diesen zu leugnen und anschließend auf fünf Seiten über muslimische Opfer zu schreiben, der disqualifiziert sich nicht nur intellektuell und argumentativ, sondern verhält sich schlichtweg pietäts- und würdelos gegenüber den Opfern. (Übrigens es fällt einem schwer überhaupt von Artikel zu sprechen, der weder Hand noch Fuß hat, geschweige denn einen Kopf, der beim Schreiben zum Einsatz gekommen sein soll.)

"Was würde übrigens passieren, wenn die Türkei die mehr als 1,5 Millionen syrischer Flüchtlinge, die sie bereits aufgenommen hat, ausweisen würde und an ihre Bündnispartner abschieben würde? Oder wenn sie es wie der "Jüdische Staat" machte - Gefängnisse für Asylsuchende schwarze Flüchtlinge bauen, diese zu internieren, um sie dann in ihre Heimatländer abzuschieben und Folter und Tod auszusetzen? Und wann kommt das ausgiebige Gedenken für die nicht-christlichen Opfer, also z.B. die muslimischen weltweit?"

Ihr Hass gegenüber Christen und Juden geht soweit, dass sie diese pauschalisiert und verteufelt und den Staat Israel, - übrigens das einzig demokratische Land in dieser Region, in dem auch Muslime aber auch Christen leben - unentwegt abfällig als  "Judenstaat" bezeichnet. Nicht einmal Theodor Herzl hatte in seinem Werk "Der Judenstaat" einen homogenen Staat im Blick gehabt, sondern wünschte sich einen Staat, der allen seinen Bürgern die gleichen Rechte zugestehen und in der die Einheimischen die einwandernden Juden mit offenen Armen empfangen würden.  


"Denken wir also an die Nakba, die Katastrophe, der systematischen Vertreibung des palästinensischen Volkes, der ethnischen Säuberung Palästinas durch den "Jüdischen Staat". Ilan Pappe, der israelische Historiker, dessen Verdienst es im Besonderen ist, dass diese Ereignisse im Jahr 2007 so exakt beschrieben wurden, hat im Zusammenhang der systematischen Auslöschung der Erinnerung den Begriff des "Memorizid" geprägt.
Ich erinnere in diesem Zusammenhang an den wunderbaren Artikel von Anneliese Fickentscher und Andreas Neumann in der NRhZ vom Januar 2008."

Man könnte eine Menge anderer Zitate aus Galinskis Artikel nehmen, um ihre Unlogik, ihr Unwissen und ihre Verzerrungen der Tatsachen zu beleuchten. Doch vieles muss und sollte man nicht mehr kommentieren, denn sie stehen für sich und für ihre Gesinnung.

Abschließend lässt sich feststellen: Was anfänglich geschmacklos begann und im Hinblick auf den gesamten Artikel sich ziemlich verachtend gegenüber dem Gedenken der Nachfahren der Opfer erwies, stellt sich letztendlich als eine Projektion ihrer eigenen Absichten und Vorstellungen dar. Denn nur sie und ihre Anhängerschaft entscheiden mit ihrem rassistischen Weltbild darüber, was ein Genozid ist. Dabei verdrehen sie die Tatsachen auf eine Weise, wie es ihnen gerade in ihr verqueres Weltbild passt.

Montag, 27. April 2015

Steinmeier instrumentalisiert Holocaust gegen Armenier

"Holocaustrelativierung", warf Außenminister Steinmeier kaltblütig kalkuliert dem Deutschen Bundestag nur kurz nach der Bundestagsdebatte am 24.04 vor. Dies deshalb, weil sie den Genozid an den Armeniern als das benannt hatten, was es ist - ein Völkermord. Henryk M. Broder antwortet souverän: "Weder Juden noch Armenier werden als Konkurrenten gegeneinander antreten, nur weil der deutsche Außenminister in der Rolle des Unparteiischen glänzen möchte."

Malte Lehming kontert empört: "Steinmeiers Satz ist ungeheuerlich. Wenn er selbst zu feige ist, um die Wahrheit auszusprechen, soll er dies gefälligst nicht auf dem Rücken von sechs Millionen ermordeter Juden als besonders tugendhaft adeln."

"Ich bin Debatten leid, bei denen erwartet wird, dass ich über ein mir hingehaltenes Stöckchen springen soll, obwohl doch alle wissen, die Fragenden wie die Antwortenden, dass komplexe Erinnerungen selten auf einen Begriff zu bringen sind", sagte Steinmeier.
Im Mittelpunkt deutscher Außenpolitik müsse die "Aussöhnung zwischen den betroffenen Völkern" stehen. Die "bloße Reduktion auf die Frage der Verwendung des Wortes Völkermord" helfe nicht, "die Sprachlosigkeit zwischen Türken und Armeniern" zu beenden. Steinmeier warnte auch davor, auf diese Weise indirekt den Holocaust zu verharmlosen..."

Armenien-Debatte: Steinmeier warnt vor Verharmlosung des Holocaust  


"Weder Juden noch Armenier werden als Konkurrenten gegeneinander antreten, nur weil der deutsche Außenminister in der Rolle des Unparteiischen glänzen möchte."

Herr Steinmeier, Sie haben von nichts eine Ahnung!


"Steinmeiers Satz ist ungeheuerlich. Wenn er selbst zu feige ist, um die Wahrheit auszusprechen, soll er dies gefälligst nicht auf dem Rücken von sechs Millionen ermordeter Juden als besonders tugendhaft adeln."
Steinmeier und der Völkermord an den Armeniern
http://www.tagesspiegel.de/politik/steinmeier-und-der-voelkermord-an-den-armeniern-komplexe-erinnerungen/11688918.html

Immerhin hat es nicht lange gedauert, bis biederen Rechtskundlern auffiel, dass mit der unziemlich legalistischen Ausdehnung des Rechtgrundsatzes „keine Strafe ohne Gesetz“ auch die Leugnung eines ganz anderen Völkermordes betrieben werden kann – interessanterweise jenes menschheitsgeschichtlichen Verbrechens, wegen dem der Genozid als juristische Kategorie im Jahre 1948 von Raphael Lemkin definiert werden musste.
Die Rede ist selbstverständlich von der Shoah, an die in Israel erst letzte Woche mit dem alljährlichen Gedenktag erinnert wurde.
Holocaust-Leugnung vom Auswärtigen Amt?
http://haolam.de/artikel_20728.html


Mittwoch, 31. Juli 2013

Rassisten erklären den Rassismus

Bild:Die Jahrhundertlüge - "der angebliche arm. Völkermord"
Muslime und Juden sind die Guten. Christen sind die Bösen. Der Völkermord der muslimischen Türken an den Armeniern, die Verfolgung der Kopten in Ägypten, die Vertreibung der Chaldäer im Irak, die gezielte Vertreibung der Christen in Syrien, die Unterdrückung der Christen im Iran oder das Verbot des Christentums in Saudi-Arabien - alles human und gut! 
Vom Sklavenhandel und den Kastrationen der Schwarzafrikaner - kein Wort!

Das Schulungsheft des Netwerkes "Schule ohne Rassismus-Schule mit Courage" manipuliert Geschichte und Gegenwart. Statt Informationen werden Desinformation und Propaganda verbreitet.
Die Frage drängt sich auf, wer ein Interesse daran haben kann, die öffentliche Meinung derart zu manipulieren? Wer finanziert und fördert dieses Netzwerk?

"Das Heft thematisiert nur die Vorurteile gegen Zuwanderer. Die Bösen sind weiß, christlich und rechts; die Guten nichtweiß, islamisch und links."

Montag, 15. Juli 2013

Holocaust-"Performance" in Köln: Niveaulos trifft hirnlos

Eine Israelin veranstaltete eine Holocaust-"Performance" auf der Kölner Domplatte und irgendwie schien sich niemand daran zu stören. Im Gegenteil, viele Lokalpolitiker nahmen an dieser "Performance" teil. Ich las davon während meines Urlaubs in Armenien und empfand es als extrem erbärmlich. Hier trafen Banalisierung, Effekthascherei und Geltungsdrang aufeinander. 
Wenn eine niveaulose Künstlerin auf hirnlose Lokalpolitiker trifft, ist alles möglich. Köln ist überall!

"Am Freitag, 28. Juni 2013, hat vor dem Kölner Dom eine geisterhafte Performance stattgefunden, deren Absurdität die Vision jüdischer Weisen bestätigen wird, dass kurz vor Ankunft des Messias die Welt in Wahnsinn versinkt [...] Der Holocaust gehört nicht den Juden allein, er ist Weltkulturerbe, verkündet die jüdische Performance-Künstlerin, die gerne nach Polen auswandern würde, wenn 3 Millionen Israelis mitkommen möchten. Das Holocaust-Gedenken, welches aus Israel stammt und auch in palästinensischen Gebieten zelebriert wird, wird in Deutschland ohne die von den Grünen und der EU geforderte Kennzeichnung für israelische Produkte auf Proteste gegen Rassismus, Islamophobie, Erhöhung von Parkgebühren und israelische Besetzung arabischer Gebiete ausgeweitet. 
Nein, der Armenier-Holocaust vor 100 Jahren gehört nicht dazu, da die allermeisten Türken in der Türkei und in Deutschland den Genozid bestreiten, was weder in der Türkei, noch in Deutschland, noch in Israel verboten ist. Verboten ist lediglich das Leugnen des Juden-Holocausts im ehemaligen Machtbereich der Nationalsozialisten."

Juden sind keine unschuldigen Opfer!
http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/juden_sind_keine_unschuldigen_opfer


Dienstag, 30. April 2013

Armenier, Juden und die Rechtsradikalen von Turkishpress


Mit Abscheu habe ich die antiarmenische „Turkishpress“-Veröffentlichung „Armenischer Rassenwahn und Antisemitismus“ vom 24. April 2013 zur Kenntnis nehmen müssen (http://www.turkishpress.de/de/news/24042013/armenischer-rassenwahn-und-antisemitismus/4743). Gegenstand des Artikels sind angebliche neofaschistische Aktivitäten in der Republik Armenien wie innerhalb der armenischen Diaspora, Phänomene, die – ohne dass hierfür irgendein Beleg angeführt würde – als zumindest für erhebliche Teile der armenischen Gesellschaft repräsentativ dargestellt werden:

„Neonazis haben in Armenien ein relativ leichtes Spiel, Anhänger zu finden. Mit der Türkenkarte kann man einerseits die antitürkische Haltung innerhalb der Gesellschaft durch die armenische Diaspora, bedingt durch Bergkarabach und dem sogenannten Völkermord, ausspielen [...]“

Auf diese Weise demonstriert, ausgerechnet am 98. Jahrestag des jungtürkischen Völkermordes an den Armeniern, Aramäern/Assyrern und Pontos-Griechen, der „Turkishpress“-Autor Akin Ruhi Göztaş seinen rasenden Hass auf die armenischen Überlebenden dergestalt, dass er die berechtigte Forderung nach Anerkennung der historischen Tatsache des Genozids am armenischen Volk 1915/16 allen Ernstes als neonazismuskompatibel verunglimpft. Tatsächlich sind es jedoch er und seinesgleichen, die – gleich den Leugnern oder Verharmlosung der Shoah – in ihrer Hetze gegen das öffentliche Gedenken eines Genozids die Einheit des Menschengeschlechts substantiell in Frage stellen.

Den verlogenen Gestus des 'antirassistisch' Engagierten teilen sie dabei mit all jenen wackeren Kämpfern gegen vermeintlichen zionistischen „Rassismus“, die sich gern auch einmal auf die Expertise des einstigen deutschen SS-Angehörigen Günter Grass berufen. Erinnern wir uns daran, dass nicht unter armenischer, sondern unter türkischer Flagge ein Mob von radikalen Islamisten, türkischen Neofaschisten und sog. „Linken“ im Mai 2010 versuchte, in Gestalt der Mavi-Marmara-„Friedensflottille“ illegal die israelische Gazablockade zu durchbrechen. Die Fratze des  türkischen Nationalchauvinismus, wie er im deutschsprachigen Raum nicht zuletzt durch „Turkishpress“ hervorragend vertreten ist, zeigte sich damals in der staatsoffiziellen Solidarisierung der Türkei mit einem gewalttätigen Mob, der keinen Zweifel daran ließ, dass er nicht nur jeden lebenden Armenier, sondern auch jeden lebenden Juden als nicht hinnehmbare Provokation seines Türkentums sieht.

Göztaş behauptet: „Die Etablierung von nationalsozialistischen Gedankenguts ist jedoch kein neues Phänomen der Neuzeit, reicht bis zum Zweiten Weltkrieg zurück, taucht jedoch jetzt in neuem Gewand wieder auf.“ Somit versucht er den Eindruck zu erwecken, dass Armenien nicht nur (wie von ihm behauptet) gegenwärtig, sondern auch in den 1930er und 1940er Jahren in besonderem Maße für faschistische Agitation 'anfällig' gewesen sei. Lassen wir diesem Verleumder gegenüber, der aus Völkermordopfern Beteiligte an einem (anderen) genozidären System zu machen trachtet, die historische Wahrheit zur Geltung kommen. Im vierzehnten Teil seiner unregelmäßigen Serie aus Anlass des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion „Der dritte Weltkrieg“ (KONKRET, 4/2013, 38 f.) geht Erich Später auch auf die Situation der Armenier nach dem 22. Juni 1941 ein:

Die Missak Manouchian Gruppe - Held der Résistance
„In eine besonders gefährliche Situation gerieten die Armenier, da sie in den Augen der NS-Rassentheoretiker eine enge Verwandtschaft zu den 'Semiten' aufwiesen. Der ihnen nachgesagte Hang zum 'parasitären Handel' wurde auf eine starke 'jüdische Rassemischung' zurückgeführt. Diese potentiell tödliche Einschätzung der NS-Ideologen wurde verstärkt durch die Loyalität der armenischen Bevölkerung zur Sowjetunion. Nicht nur in der armenischen Sowjetrepublik, sondern auch in Exilkreisen wurden Befürchtungen über einen möglichen türkischen Angriff auf die Sowjetunion geäußert, als dessen Folge man die völlige Ausrottung des armenischen Volkes befürchtete. Die 1941/42 aufgestellten armenischen Milizen und Selbstschutzverbände ersetzten teilweile die regulären Verbände der Roten Armee an der sowjetisch-türkischen Grenze. Diese Einheiten verstärkten im September und Oktober 1942 schließlich die Frontlinie im Nordkaukasus.“

Am 9. Mai dieses Jahres werden wir gemeinsam mit den Armeniern den 68. Jahrestag des Sieges auch Sowjetarmeniens im Großen Vaterländischen Krieg und den 21. Jahrestag der Befreiung von Shushi (Bergkarabach) von aserbaidschanischer Fremdherrschaft feiern. Den Sieg der Gerechten über den Faschismus.


Zum Autor: Daniel Leon Schikora ist Sprecher der Hochschulgruppe Rostock der Deutsch-Israelischen Gesellschaft (DIG), Doktorand der Politikwissenschaft im Bereich der Politischen Theorie / Ideengeschichte und Kolumnist bei Der Kosmopolit.



Sonntag, 3. März 2013

Heinsohn und Friedman antworten Erdogan

Der türkische Premier Erdogan redet sich um Kopf und Kragen. Die Liste seiner absurden Aussagen ist so lang wie seine über ein Jahrzehnt währende Führung der Türkei. Über den sudanesischen Diktator und Völkermörder Omar el-Bashir sagte Erdogan 2009, dass Muslime keine Völkermorde begehen könnten. Die Bestrafung von Volksverhetzern und Hassrednern durch eine Gesetzinitiative in Frankreich, welches die Leugnung von Genozid unter Strafe stellen sollte, bezeichnete Erdogan als Hass gegen Muslime und Türken.
Nunmehr bezeichnet er den Zionismus als ein "Verbrechen gegen die Menschlichkeit". 

Es bleibt die Hoffnung, dass Erdogan irgendwann darauf kommt, dass nicht der Zionismus, sondern der Panturkismus/Turanismus ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellt. Denn diese Ideologie, die nach wie vor das türkische Selbstverständnis prägt, ist die Grundlage für den ersten Völkermord des 20.Jahrhunderts an den Armeniern und zugleich "role model" für den Holocaust gewesen. 

Prof. Dr. Gunnar Heinsohn und Michel Friedman fragen sich daher angesichts der neuerlichen Eskapaden Erdogans gegen Israel, weshalb der Türke nicht zuerst vor seiner eigenen Haustür kehrt und den Genozid an den Armeniern aufarbeitet und versteht, bevor er sich zum Zionismus äußert. Hier ein paar Geschichtsstunden von Heinsohn und Friedman für die vielen deutsch-türkischen Erdogans unter uns: 

"Bis heute tut sich die Türkei umgemein schwer, an ihre juristische Pionierleistung von 1919 wieder anzuknüpfen. Stattdessen wird Angriff zur Waffe gegen alle, die an ihre Völkermorde erinnern. Israelis mit der Religion Henry Morgenthaus, auf den Armenier sich berufen, liefern dafür ein ideales Ziel." 

“Verbrechen gegen die Menschheit”

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/verbrechen_gegen_die_menschheit

"Was Erdogan zu Recht in der Welt fordert, nämlich den Islam zu respektieren, das erfüllt er gegenüber der christlichen und jüdischen Religion in seinem Land nicht. Die Meinungsfreiheit erlebt unter seiner Regierung Rückschläge. Die eigene historische Verantwortung der Türkei gegenüber den Armeniern wird immer noch geleugnet."
Erdogan mimt den türkischen Ahmadinedschad
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article114073445/Erdogan-mimt-den-tuerkischen-Ahmadinedschad.html

Dienstag, 25. September 2012

Alawiten und Juden - die bedrohten Nationen


"Assad beklagte, dass Juden in Damaskus verpflichtet würden, keine Nahrungsmittel an ihre „jüdischen Brüder“ in Palästina zu schicken, obgleich sie dort unter dem arabischen Aufstand litten. Wörtlich schrieb er: „Diese guten Juden haben den muslimischen Arabern Frieden und Zivilisation gebracht sowie Reichtum und Wohlstand in das Land Palästina. Sie haben niemanden verletzt und nichts mit Gewalt genommen. Dennoch haben ihnen die Muslime den heiligen Krieg erklärt und nicht gezögert, ihre Kinder und Frauen zu schlachten, trotz der Tatsache, dass England in Palästina und Frankreich in Syrien herrscht. Daher erwartet die Juden und die anderen Minderheiten eine schwarze Zukunft, falls das Mandat abgebrochen und das muslimische Syrien mit dem muslimischen Palästina vereint wird. Diese Vereinigung ist aber das ultimative Ziel der muslimischen Araber [...] 

In dem Brief von 1936 erklärte Assad den Franzosen, dass sich die „Alawitische Nation“ von der Nation der sunnitischen Muslime unterscheide, religiös und in den Gebräuchen. Die Alawiten wollten von einem muslimischen Syrien nicht annektiert werden, so Assad, weil sie vom Islam für Häretiker gehalten würden. Er warnte vor dem „schrecklichen Schicksal“, das die Alawiten nach einem Ende der französischen „Überwachung“ erwarte, nämlich Tod oder Zwangskonversion zum Islam , wie Kedar hier anmerkte. Um „Tod und Zerstörung“ zu vermeiden, forderte Assad die Errichtung eines separaten Alawitischen Staates unter französischer Schirmherrschaft."

Assads Urgroßvater sah Massaker voraus

Mittwoch, 29. August 2012

War Atatürk Armenier?

Wer ist Mustafa Kemal "Atatürk", der Vater der Türken? 
Die offizielle türkische Geschichtsschreibung verortet ihn nach Thessaloniki. Sein Vater sei Turkmene, seine Mutter Albanerin gewesen. Türkisch, muslimisch, ur-altaisch also. 

Dann gibt es eine weitere Version, die besagt, dass Atatürks Familie Juden waren und später zum Islam konvertiert sind, sogenannte "Dönmehs", die einem Hochstapler namens Sabbetai Zvi folgten und ein Krypto-Judentum lebten. Nach außen hin also nur vorgaben muslimisch zu sein, doch im Geheimen die Lehren des Sabbetai Zvi befolgten. Atatürk soll sogar das Shema Yisra'el auswendig gekonnt haben.

Jetzt ist ein neues Buch erschienen, das alles bisher gekannte in den Schatten stellt. Der Vater der Türken soll ursprünglich nicht aus Thessaloniki, sondern aus Malatya gestammt haben. 
Einem Ort, der damals noch vor dem Völkermord an den Armeniern überwiegend armenisch geprägt war und heutezutage für seine Christenmörder, Fundamentalisten und Rechtsradikalen bekannt ist.

In den türkischen Zeitungen geht es unter den Kolumnisten nun heiß her. Hat die offizielle türkische Geschichtsschreibung Atatürk vielleicht von Malatya nach Thessaloniki verortet, um zu verhindern, dass eine Verbindung zu den Armeniern hergestellt wird?

Orhan Kemal Cengiz von der ZAMAN stellt da interessante Überlegungen an:

"Malatya was one of the provinces which were heavily populated by Armenians in the past. If this new version of Atatürk’s origins is true, the first question to come to mind is why the history writers fabricated the well-known version of his life. Did they write the official version to disassociate Atatürk from Anatolian Armenians? If the new story is true, there must be a reason.
The facts of Turkish history are still surrounded by many taboos, some of which have caused loss of life. You know how the tragic events leading to the assassination of Hrant Dink began. He simply dared to say that Atatürk’s adopted daughter Sabiha Gökçen was indeed an Armenian orphan. And this revelation was followed a lynching campaign and he was killed after that."

Was Atatürk an Armenian?
http://www.todayszaman.com/columnistDetail_getNewsById.action?newsId=290227

Oder war Atatürk tatsächlich ein jüdischer "Dönmeh", Konvertit.
Hillel Halkin hat hier eine ganz andere Geschichte zu erzählen: 
"Actually, Ataturk's Jewishness, which he systematically sought to conceal, explains a great deal about him, above all, his fierce hostility toward Islam, the religion in which nearly every Turk of his day had been raised, and his iron-willed determination to create a strictly secular Turkish nationalism from which the Islamic component would be banished.
Who but a member of a religious minority would want so badly to eliminate religion from the identity of a Muslim majority that, after the genocide of Turkey's Christian Armenians in World War I and the expulsion of nearly all of its Christian Greeks in the early 1920s, was 99% of Turkey's population? The same motivation caused the banner of secular Arab nationalism to be first raised in the Arab world by Christian intellectuals.
Ataturk seems never to have been ashamed of his Jewish background. He hid it because it would have been political suicide not to, and the secular Turkish state that was his legacy hid it too, and with it, his personal diary, which was never published and has for all intents and purposes been kept a state secret all these years. There's no need to hide it any longer. The Islamic counterrevolution has won the day in Turkey even without its exposure."

Ataturk's Turkey Overturned
http://www.nysun.com/opinion/ataturks-turkey-overturned/58997/

Donnerstag, 2. August 2012

"Verstehen Sie Spaß" auf ägyptisch

Eine ägyptische Moderatorin sitzt einem ägyptischen Schauspieler gegenüber und interviewt ihn. Eine vermeintliche Zuschauerin wird dazugeschaltet, die sich darüber beschwert, dass der ehrenwerte Schauspieler mit einem "dubiosen israelischen Sender" ein Interview führe und sich daher schämen solle.
Der Schauspieler erstarrt, die Zuschauerin wird weggeschaltet und die Sendung mit einer Werbepause unterbrochen.
In der Pause hakt der Schauspieler bei der Moderatiorin nach, ob es sich tatsächlich um einen israelischen Sender handele. Sie bejaht. Er beschwert sich, man habe ihn also angelogen und sich als deutscher Sender ausgegeben. Ein Mann vom Produktionsteam kommt dazu und provoziert ihn. Der Schauspieler regt sich derart auf, dass er anschließend das Studio auseinandernimmt und die Moderatorin schlägt.

Dieser Vorgang wiederholt sich noch mehrmals mit weiteren Studio-Gästen, die ihrer Wut, in einem vermeintlichen israelischen Sender verulkt worden zu sein, durch das Zertrümmern und Verprügeln des Produktionsteams Luft verschaffen.

Zum Ende folgt die Aufklärung und alle verbrüdern sich wieder. "Wir sind alle Ägypter. Hoch lebe Ägypten".

Warum ein Format wie "Verstehen Sie Spaß" in Ägypten problematisch sein kann. Und warum man sich nicht als Jude oder Israeli in Ägypten ausgeben sollte, seht ihr hier.