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Donnerstag, 17. September 2015
Jürgen Todenhöfers nazistisch-islamistische Sammlungsbewegung
Wer sich, in deutscher Sicht, leidlich ernsthaft mit der Zerstörung der chilenischen Demokratie und der westdeutschen Beteiligung an der Errichtung der mörderischen Pinochet-Diktatur vor 42 Jahren befasst, wird zwangsläufig auf den Namen einer der widerwärtigsten politisch-publizistischen Figuren stoßen, die Deutschland seit der Niederlage des Hitlerfaschismus und dem verdienten Tod Julius Streichers hervorgebracht hat: Jürgen Todenhöfer, der seine politische Karriere vor dem 11. September 1973 als Lobbyist gegen eine Entwicklungszusammenarbeit der BRD mit dem noch demokratisch regierten Chile begann, woran sich nach jenem 11. September nahtlos sein Auftreten als Lobbyist der Mörder vieler Tausender chilenischer Antifaschisten anschloss.*
Mit seiner Gesinnung, die ihn in den 1970er Jahren an die Seite Pinochets, in den 1980er Jahren an die Seite Hekmatyars und Bin Ladins und noch 2011 an die Seite der djihadistischen Insurgenten gegen Gaddafi** führte, hat Todenhöfer niemals gebrochen. Seine facebook-Seite darf als eine der größten antisemitischen und prodjihadistischen Sammlungsbewegungen des Internets betrachtet werden - eine Kloake nazistisch-islamistischer Verbrüderung, der hemmungslosen Hetze gegen den israelischen Staat einerseits und der Rechtfertigung islamistischer Diktaturen und Bewegungen, von der Muslimbruderschaft bis zur AKP, andererseits. Als Schirmherr dieses antidemokratischen Stelldicheins dokumentiert der einstige Pinochet- und heutige Mursi-Lobbyist*** Todenhöfer wie kein anderer stets aufs neue, wie quicklebendig der Ungeist der Mörder Allendes nach wie vor auch und gerade in Deutschland ist.
* Siehe DER SPIEGEL 16/1975 (14.4.1975), http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-41558881.html.
** Siehe http://www.bild.de/politik/2011/bestseller-autor-von-rakete-beschossen-16829940.bild.html.
*** Siehe http://juergentodenhoefer.de/fuer-mich-heisst-aegyptens-praesident-mohammed-mursi/.
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Donnerstag, 9. Juli 2015
Frankreich und Deutschland nach den Anschlägen von Paris*
Teil 1: Frankreich
Am 7. Januar wurden in der französischen Hauptstadt durch ein Attentat auf die Redaktion der Satire-Wochenzeitschrift Charlie Hebdo elf Menschen ermordet; unter den Ermordeten befanden sich acht Charlie Hebdo-Redaktionsmitglieder und ein Polizist. Als Attentäter ermittelte die Polizei sehr rasch die Brüder Chérif und Saïd Kouachi, zwei Franzosen algerischer Herkunft, die bereits in den vergangenen Jahren auch international als djihadistische Extremisten und Gesetzesbrecher aufgefallen waren: Saïd ließ sich im Jemen als Rekruten von Al-Qaida ausbilden. Gemeinsam mit seinem Bruder Chérif war er bereits 2008 von der französischen Polizei festgenommen worden; gegen Chérif wurde ein Prozess geführt. Im Schengen-Raum waren die beiden zur verdeckten Beobachtung ausgeschrieben, zudem standen sie auf der„No-Fly-List“ der Vereinigten Staaten.
Zwei Tage nach dem Mordanschlag auf die Charlie-Hebdo-Redaktion nahm dann der djihadistische „Waffenbruder“ der Attentäter, Amedy Coulaby in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris Geiseln, von denen er vier – alle jüdische Franzosen – ermordete. Am selben Tag, dem 9. Januar, wurden im Rahmen zweier zeitgleicher Polizeieinsätze sowohl der Geiselmörder Coulaby als auch die Brüder Kouachi getötet.
„Je suis Charlie“
Die staatsoffiziellen ebenso wie die 'zivilgesellschaftlichen' Reaktionen auf den terroristischen Anschlag auf Charlie Hebdo waren zunächst dazu geeignet, ein Schlaglicht zu werfen auf die Vitalität des Selbstverständnisses Frankreichs als einer laizistischen Republik – eines politischen Gemeinwesens, das sich der Herausforderungen des säkularen demokratischen Verfassungsstaates im Spannungsfeld zwischen einem religiös „legitimierten“ Extremismus und Terrorismus islamistisch-djihadistischer Provenienz, einer „kommunitaristischen“ Abkapselung religiös-kultureller Minderheiten und einer ethnozentristischen Regression in der französischen 'Mehrheitsgesellschaft' bewusst ist. Dies führten nicht zuletzt die Demonstrationen vor Augen, in deren Rahmen rund vier Millionen Franzosen in Paris und anderen Städten sich zur Unverletzlichkeit der „Freiheit der Presse“, der „freien Meinungsäußerung“ bekannten und Solidarität mit der angegriffenen Redaktion bekundeten. Mit Blick auf diese demokratisch-republikanischen Manifestationen bemerkte die Neue Zürcher Zeitung am 11. Januar: „Frankreich demonstriert Selbstbewusstsein wie schon lange nicht mehr. Die Grundstimmung der letzten Jahre war eher von Selbstzweifeln und Zerknirschung geprägt. Doch jetzt haben riesige Volksmengen, wohl über eine Million Menschen, am 'republikanischen Marsch' in Paris und an Kundgebungen in vielen Provinzstädten Bürgersinn und grimmige Entschlossenheit gezeigt. Sie gedachten der 17 Todesopfer der jüngsten Terrorakte, sie wandten sich gegen Denk- und Redeverbote, gegen Judenhass und Islamophobie. 'Wir lassen uns die Freiheit nicht nehmen, wir lassen uns von ein paar Terroristen nicht einschüchtern', war ihre Botschaft. Diese Haltung strahlt weit über Frankreich hinaus.“
Paris als „capitale mondiale de l'antiterrorisme“
Auf der anderen Seite musste jedoch die Frivolität ins Auge stechen, mit der die Staatsspitze der französischen Republik den „republikanischen Marsch“ in Paris in ihre außenpolitische Agenda einbettete. An der Großdemonstration in Paris nahmen – wenigstens für einige Minuten – rund 50 Staats- und Regierungschefs teil. An der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich Frankreichs Staatsoberhaupt François Hollande gemeinsam mit einer Reihe befreundeter arabischer und afrikanischer Staatsführer, die – wie die NZZ extrem zurückhaltend formulierte – „nicht als grosse Demokraten gelten“. Neben Repräsentanten von EU und Nato war auf dem „republikanischen Marsch“ mit der Arabischen Liga ein Staatenbündnis vertreten, deren Politik wesentlich von islamistischen Mordregimen und Terrorexporteuren bestimmt wird. (Nota bene: 2011 wurde Syrien, dessen säkulares Regime sich in einem blutigen Konflikt mit djihadistischen Insurgenten befindet, aus der Liga ausgeschlossen, niemals jedoch offen als Gönner djihadistischer Terrorbanden auftretende islamistische Mächte wie Saudi-Arabien oder Katar.) Auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko war zugegen, selbstverständlich ohne befürchten zu müssen, von seinen französischen Gastgebern zur Rede gestellt zu werden etwa mit Blick auf die – durch die Kiewer Regierungsbehörden zumindest wohlwollend geduldeten – fortlaufenden gewalttätigen Angriffe auf unbotmäßige Journalisten und als „prorussisch“ attackierte Medien in der Ukraine – und in diesem Kontext zum Beispiel an das Schicksal des im August 2014 in der Ostukraine ermordeten Fotokorrespondenten der Nachrichtenagentur Rossiya Segodnya, Andrej Stenin, erinnert zu werden.** Demgegenüber wurde in israelischen Medien darüber berichtet, dass Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu der französischen Regierung als Teilnehmer am „republikanischen Marsch“ unwillkommen sei. In Reaktion auf die Ankündigung des israelischen Regierungschefs, an der Demonstration teilzunehmen, sei seitens des französischen Präsidialamts Palästinenser„präsident“ Mahmud Abbas eingeladen worden. Somit konnte, nur wenige Stunden nach der Ermordung von vier jüdisch-französischen Geiseln durch einen djihadistischen Terroristen, ein erklärter Sympathisant des Judenmordes*** auf Einladung der französischen Regierung an der von Präsident Hollande und Ministerpräsident Valls inszenierten recht eigenwilligen Demonstration eines antiterroristischen Konsenses mitwirken.
Eines der überlebenden Redaktionsmitglieder, Renald Luzier („Luz“), geißelte die – außen- wie innenpolitische – Instrumentalisierung des Attentats durch die französische Staatsspitze mit den Worten: „Dieser Unanimismus hilft Hollande, die Nation zusammenzuschweißen. Er nützt Marine Le Pen, um die Wiedereinführung der Todesstrafe zu fordern. (…) Was die Kundgebungen betrifft: Dort hat man die Marseillaise gesungen – wir sprechen hier aber über das Gedenken an meine Kollegen Charb, Tignous, Cabu, Honoré und Wolinski – die hätten auf diese Art von Solidarität geschissen.“ In Anbetracht des Konformismus, der sich in dem wohlfeilen Bekenntnis zu Freiheit und Demokratie, unter Abstrahierung von den strukturellen Bedingungen – und Grenzen – der Geltendmachung „republikanischer“ Normen und Prinzipien, auslebte und nicht zuletzt in der emsigen Verdächtigung politisch Andersdenkender, nicht „Charlie“ zu sein und somit außerhalb einer republikanischen Wertegemeinschaft zu stehen, seinen Ausdruck fand, gibt der französische Publizist Pierre Lévy zu bedenken:
„... Psychologische Behandlungen wurden Minderjährigen auferlegt, die sich geweigert hatten, an einer Schweigeminute für die Opfer der Pariser Anschläge teilzunehmen. Kommunalangestellte wurden, wie in Lille, bestraft, weil sie nicht an dieser kollektiven Schweigeminute teilgenommen und das auch begründet hatten.
Aber was ist eine per Dekret festgelegte Besinnung wert? Wird morgen die einfache Tatsache verdächtig und auch strafbar, die Gründe des Dramas verstehen zu wollen? Genau das hat zweifellos der belgische Europaabgeordnete Guy Verhofstadt begrüßt, als er jubelte: 'Zum ersten Mal wurde ein Europa der Werte geboren!' Doch der Siegerkranz gebührt gewiss Nathalie Saint-Cricq, Chefin der politischen Abteilung von France2. Am 13. Januar rief sie gerissen aus, indem sie mit den Fingern auf diejenigen zeigte, die 'nicht Charlie sind': 'Sie sind es, die wir ausfindig machen und behandeln müssen.' Gewissermaßen im Namen der Meinungsfreiheit. Orwell ist nicht mehr weit.“
An diesem Tag, so Lévy, seien „Charb, Cabu, Wolinski und die anderen Karikaturisten ermordet worden – zum zweiten Mal“.
(Fortsetzung folgt.)
Daniel Leon Schikora
* Erstveröffentlichung in: Gerd Otto, Wolfgang Otto (Hrsg.): Auf dem Weg nach Europa. Die Fördergesellschaft für Europäische Kommunikation (FEK) e. V. und die Neudrossenfelder Europatage im Porträt (= FEK-Jahrbuch 2015). Regensburg 2015, 20f.
** Wie die Justizbehörden der von Poroschenko repräsentierten Ukraine mit den bürgerlichen Freiheiten von Publizisten verfahren, die öffentlichkeitswirksam dazu aufrufen, sich der Beteiligung an der brutalen Unterdrückung der russophonen Bevölkerungsteile des Südostens des Landes zu verweigern, führte nunmehr (Anfang Februar) auch die Inhaftierung des westukrainischen Fernsehjournalisten Ruslan Kuzaba durch den ukrainischen Inlandsgeheimdienst SBU vor Augen. Kuzaba, der am 19. Januar in einem YouTube-Video leidenschaftlich gegen den „Bruderkrieg“ plädiert und dazu aufgerufen hatte, sich der Mobilisierung, von denen Zehntausende von Reservisten betroffen sind, zu verweigern, wird seitens des Geheimdienstes Hochverrat und Spionage vorgeworfen.
*** „Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat den Hinterbliebenen des Attentäters von Rabbi Jehuda Glick kondoliert. Mutas Hidschasi werde als Märtyrer in den Himmel eingehen, schrieb Abbas in einem Brief. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu übte scharfe Kritik.
Laut der Onlinezeitung 'Times of Israel' schrieb Abbas an Hidschasis Familie: 'Mit Wut haben wir die Nachricht von dem Mordverbrechen vernommen, begangen durch die Terroristen der israelischen Besatzungsarmee, gegen den Sohn Mutas Ibrahim Chalil Hidschasi, welcher als Märtyrer, der die Rechte unseres Volkes und seiner heiligen Stätten verteidigt hat, in den Himmel eingeht.' (…) Israels Außenminister Avigdor Lieberman schrieb auf seiner Facebook-Seite, Abbas‘ Brief 'beweist mehr als alles andere, dass Abu Masen in der Tat ein Partner ist: ein Partner für Terror, ein Partner für Terroristen, ein Partner von Mördern'. Mit dem Schreiben unterstütze Abbas offen den Terror und ermutige dadurch zu weiteren Morden, so Lieberman.“ (israelnetz.com, 3.11.2014)
Am 7. Januar wurden in der französischen Hauptstadt durch ein Attentat auf die Redaktion der Satire-Wochenzeitschrift Charlie Hebdo elf Menschen ermordet; unter den Ermordeten befanden sich acht Charlie Hebdo-Redaktionsmitglieder und ein Polizist. Als Attentäter ermittelte die Polizei sehr rasch die Brüder Chérif und Saïd Kouachi, zwei Franzosen algerischer Herkunft, die bereits in den vergangenen Jahren auch international als djihadistische Extremisten und Gesetzesbrecher aufgefallen waren: Saïd ließ sich im Jemen als Rekruten von Al-Qaida ausbilden. Gemeinsam mit seinem Bruder Chérif war er bereits 2008 von der französischen Polizei festgenommen worden; gegen Chérif wurde ein Prozess geführt. Im Schengen-Raum waren die beiden zur verdeckten Beobachtung ausgeschrieben, zudem standen sie auf der„No-Fly-List“ der Vereinigten Staaten.
Zwei Tage nach dem Mordanschlag auf die Charlie-Hebdo-Redaktion nahm dann der djihadistische „Waffenbruder“ der Attentäter, Amedy Coulaby in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris Geiseln, von denen er vier – alle jüdische Franzosen – ermordete. Am selben Tag, dem 9. Januar, wurden im Rahmen zweier zeitgleicher Polizeieinsätze sowohl der Geiselmörder Coulaby als auch die Brüder Kouachi getötet.
„Je suis Charlie“
Die staatsoffiziellen ebenso wie die 'zivilgesellschaftlichen' Reaktionen auf den terroristischen Anschlag auf Charlie Hebdo waren zunächst dazu geeignet, ein Schlaglicht zu werfen auf die Vitalität des Selbstverständnisses Frankreichs als einer laizistischen Republik – eines politischen Gemeinwesens, das sich der Herausforderungen des säkularen demokratischen Verfassungsstaates im Spannungsfeld zwischen einem religiös „legitimierten“ Extremismus und Terrorismus islamistisch-djihadistischer Provenienz, einer „kommunitaristischen“ Abkapselung religiös-kultureller Minderheiten und einer ethnozentristischen Regression in der französischen 'Mehrheitsgesellschaft' bewusst ist. Dies führten nicht zuletzt die Demonstrationen vor Augen, in deren Rahmen rund vier Millionen Franzosen in Paris und anderen Städten sich zur Unverletzlichkeit der „Freiheit der Presse“, der „freien Meinungsäußerung“ bekannten und Solidarität mit der angegriffenen Redaktion bekundeten. Mit Blick auf diese demokratisch-republikanischen Manifestationen bemerkte die Neue Zürcher Zeitung am 11. Januar: „Frankreich demonstriert Selbstbewusstsein wie schon lange nicht mehr. Die Grundstimmung der letzten Jahre war eher von Selbstzweifeln und Zerknirschung geprägt. Doch jetzt haben riesige Volksmengen, wohl über eine Million Menschen, am 'republikanischen Marsch' in Paris und an Kundgebungen in vielen Provinzstädten Bürgersinn und grimmige Entschlossenheit gezeigt. Sie gedachten der 17 Todesopfer der jüngsten Terrorakte, sie wandten sich gegen Denk- und Redeverbote, gegen Judenhass und Islamophobie. 'Wir lassen uns die Freiheit nicht nehmen, wir lassen uns von ein paar Terroristen nicht einschüchtern', war ihre Botschaft. Diese Haltung strahlt weit über Frankreich hinaus.“
Paris als „capitale mondiale de l'antiterrorisme“
Auf der anderen Seite musste jedoch die Frivolität ins Auge stechen, mit der die Staatsspitze der französischen Republik den „republikanischen Marsch“ in Paris in ihre außenpolitische Agenda einbettete. An der Großdemonstration in Paris nahmen – wenigstens für einige Minuten – rund 50 Staats- und Regierungschefs teil. An der Seite von Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich Frankreichs Staatsoberhaupt François Hollande gemeinsam mit einer Reihe befreundeter arabischer und afrikanischer Staatsführer, die – wie die NZZ extrem zurückhaltend formulierte – „nicht als grosse Demokraten gelten“. Neben Repräsentanten von EU und Nato war auf dem „republikanischen Marsch“ mit der Arabischen Liga ein Staatenbündnis vertreten, deren Politik wesentlich von islamistischen Mordregimen und Terrorexporteuren bestimmt wird. (Nota bene: 2011 wurde Syrien, dessen säkulares Regime sich in einem blutigen Konflikt mit djihadistischen Insurgenten befindet, aus der Liga ausgeschlossen, niemals jedoch offen als Gönner djihadistischer Terrorbanden auftretende islamistische Mächte wie Saudi-Arabien oder Katar.) Auch der ukrainische Präsident Petro Poroschenko war zugegen, selbstverständlich ohne befürchten zu müssen, von seinen französischen Gastgebern zur Rede gestellt zu werden etwa mit Blick auf die – durch die Kiewer Regierungsbehörden zumindest wohlwollend geduldeten – fortlaufenden gewalttätigen Angriffe auf unbotmäßige Journalisten und als „prorussisch“ attackierte Medien in der Ukraine – und in diesem Kontext zum Beispiel an das Schicksal des im August 2014 in der Ostukraine ermordeten Fotokorrespondenten der Nachrichtenagentur Rossiya Segodnya, Andrej Stenin, erinnert zu werden.** Demgegenüber wurde in israelischen Medien darüber berichtet, dass Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu der französischen Regierung als Teilnehmer am „republikanischen Marsch“ unwillkommen sei. In Reaktion auf die Ankündigung des israelischen Regierungschefs, an der Demonstration teilzunehmen, sei seitens des französischen Präsidialamts Palästinenser„präsident“ Mahmud Abbas eingeladen worden. Somit konnte, nur wenige Stunden nach der Ermordung von vier jüdisch-französischen Geiseln durch einen djihadistischen Terroristen, ein erklärter Sympathisant des Judenmordes*** auf Einladung der französischen Regierung an der von Präsident Hollande und Ministerpräsident Valls inszenierten recht eigenwilligen Demonstration eines antiterroristischen Konsenses mitwirken.
Eines der überlebenden Redaktionsmitglieder, Renald Luzier („Luz“), geißelte die – außen- wie innenpolitische – Instrumentalisierung des Attentats durch die französische Staatsspitze mit den Worten: „Dieser Unanimismus hilft Hollande, die Nation zusammenzuschweißen. Er nützt Marine Le Pen, um die Wiedereinführung der Todesstrafe zu fordern. (…) Was die Kundgebungen betrifft: Dort hat man die Marseillaise gesungen – wir sprechen hier aber über das Gedenken an meine Kollegen Charb, Tignous, Cabu, Honoré und Wolinski – die hätten auf diese Art von Solidarität geschissen.“ In Anbetracht des Konformismus, der sich in dem wohlfeilen Bekenntnis zu Freiheit und Demokratie, unter Abstrahierung von den strukturellen Bedingungen – und Grenzen – der Geltendmachung „republikanischer“ Normen und Prinzipien, auslebte und nicht zuletzt in der emsigen Verdächtigung politisch Andersdenkender, nicht „Charlie“ zu sein und somit außerhalb einer republikanischen Wertegemeinschaft zu stehen, seinen Ausdruck fand, gibt der französische Publizist Pierre Lévy zu bedenken:
„... Psychologische Behandlungen wurden Minderjährigen auferlegt, die sich geweigert hatten, an einer Schweigeminute für die Opfer der Pariser Anschläge teilzunehmen. Kommunalangestellte wurden, wie in Lille, bestraft, weil sie nicht an dieser kollektiven Schweigeminute teilgenommen und das auch begründet hatten.
Aber was ist eine per Dekret festgelegte Besinnung wert? Wird morgen die einfache Tatsache verdächtig und auch strafbar, die Gründe des Dramas verstehen zu wollen? Genau das hat zweifellos der belgische Europaabgeordnete Guy Verhofstadt begrüßt, als er jubelte: 'Zum ersten Mal wurde ein Europa der Werte geboren!' Doch der Siegerkranz gebührt gewiss Nathalie Saint-Cricq, Chefin der politischen Abteilung von France2. Am 13. Januar rief sie gerissen aus, indem sie mit den Fingern auf diejenigen zeigte, die 'nicht Charlie sind': 'Sie sind es, die wir ausfindig machen und behandeln müssen.' Gewissermaßen im Namen der Meinungsfreiheit. Orwell ist nicht mehr weit.“
An diesem Tag, so Lévy, seien „Charb, Cabu, Wolinski und die anderen Karikaturisten ermordet worden – zum zweiten Mal“.
(Fortsetzung folgt.)
Daniel Leon Schikora
* Erstveröffentlichung in: Gerd Otto, Wolfgang Otto (Hrsg.): Auf dem Weg nach Europa. Die Fördergesellschaft für Europäische Kommunikation (FEK) e. V. und die Neudrossenfelder Europatage im Porträt (= FEK-Jahrbuch 2015). Regensburg 2015, 20f.
** Wie die Justizbehörden der von Poroschenko repräsentierten Ukraine mit den bürgerlichen Freiheiten von Publizisten verfahren, die öffentlichkeitswirksam dazu aufrufen, sich der Beteiligung an der brutalen Unterdrückung der russophonen Bevölkerungsteile des Südostens des Landes zu verweigern, führte nunmehr (Anfang Februar) auch die Inhaftierung des westukrainischen Fernsehjournalisten Ruslan Kuzaba durch den ukrainischen Inlandsgeheimdienst SBU vor Augen. Kuzaba, der am 19. Januar in einem YouTube-Video leidenschaftlich gegen den „Bruderkrieg“ plädiert und dazu aufgerufen hatte, sich der Mobilisierung, von denen Zehntausende von Reservisten betroffen sind, zu verweigern, wird seitens des Geheimdienstes Hochverrat und Spionage vorgeworfen.
*** „Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas hat den Hinterbliebenen des Attentäters von Rabbi Jehuda Glick kondoliert. Mutas Hidschasi werde als Märtyrer in den Himmel eingehen, schrieb Abbas in einem Brief. Israels Premierminister Benjamin Netanjahu übte scharfe Kritik.
Laut der Onlinezeitung 'Times of Israel' schrieb Abbas an Hidschasis Familie: 'Mit Wut haben wir die Nachricht von dem Mordverbrechen vernommen, begangen durch die Terroristen der israelischen Besatzungsarmee, gegen den Sohn Mutas Ibrahim Chalil Hidschasi, welcher als Märtyrer, der die Rechte unseres Volkes und seiner heiligen Stätten verteidigt hat, in den Himmel eingeht.' (…) Israels Außenminister Avigdor Lieberman schrieb auf seiner Facebook-Seite, Abbas‘ Brief 'beweist mehr als alles andere, dass Abu Masen in der Tat ein Partner ist: ein Partner für Terror, ein Partner für Terroristen, ein Partner von Mördern'. Mit dem Schreiben unterstütze Abbas offen den Terror und ermutige dadurch zu weiteren Morden, so Lieberman.“ (israelnetz.com, 3.11.2014)
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Sonntag, 18. Januar 2015
Finanzierte Aserbaidschan antisemitische Demonstrationen in Europa?
Als Reaktion auf die ständige Kritik Europas an den eklatanten Menschenrechtsverletzungen in Aserbaidschan gründete die Diktatur im Jahre 2013 die European Information Human Rights Center (EIHRC) mit Sitz in Straßburg. Die EIHRC sollte Menschenrechtsverstöße in Europa dokumentieren und dem Regime in Baku regelmäßig Bericht erstatten, Der Diktator Ilham Aliyev ist es Leid, dass er in Europa als gnadenloser Diktator gilt, der sein Volk unterdrückt, Andersdenkende verfolgt und Armenier auf den Tod hasst. Den Europäern möchte er daher das kritische Mundwerk stopfen und in Gesprächen europäische Menschenrechtsverstöße entgegenhalten. Zur Politur seines angekratzten Images missbraucht Diktator Aliyev gerne die jüdische Gemeinde, die auf Anordnung von oben erklären muss, dass Aserbaidschan ein Land gänzlich frei von Antisemitismus sei, die Diktatur ein Segen für die Aserbaidschaner sei, Diktator Aliyev ein Humanist und wahrer Judenfreund sei und Israel aus diesem Grunde - und noch Gründen, die im Öl und Waffenverkäufen iHv. 1,6 Mrd. Dollar liegen - enge Beziehungen mit der Diktatur pflege. Die Armenier hingegen seien Barbaren, Erzfeinde der Juden und Türken, schlimme Antisemiten und müssten daher vollständig ausgelöscht werden. In Deutschland waren mit von der Partie, die national-religiösen türkischen Verbände Milli Görüs, DITIB, ATIB und UETD.
"In recent months, the international media reported that the Azerbaijani officials in France have been involved in financing of anti-Semitism, and have created a European information and Human Rights Centre (EIHRC) especially for this purpose. A scandal broke out on this occasion. "The European Center for Journalists” (ECFJ) in its turn held a journalistic investigation on this topic, published on the official website titled “Is Azerbaijan preparing another Holocaust in Europe?"
"As noted in the article, the head of the social and political issues of the Presidential Administration of Azerbaijan Ali Hasanov was supervising the activities of EIHRC from Baku. Initially this organization in Strasbourg was led by Harry Murey, a German lawyer, specialist in international law, who revealed interesting facts in an interview with ECFJ."Scandal on anti-Semitism that is financed by Azerbaijani authorities in Europe is gaining momentum
http://www.panorama.am/en/politics/2014/12/20/azerbaijan-politics/
A significant role in the mission of EIHRC would have to include the organization of anti-Israel demonstrations and anti-Semitic propaganda. The EIHRC was tasked to establish close ties with Islamist and other fundamentalist organizations in order to further coordinate their activities in the scenario of worsening Azerbaijani-Israeli and Azerbaijani-American relations.The Administration of the President of Azerbaijan funds anti-Semitic demonstrations in France http://groundreport.com/the-administration-of-the-president-of-azerbaijan-funds-anti-semitic-demonstrations-in-france/
From Garri Mourei, President of the European Information Centre on Human Rights in Strasbourg
http://en.president.az/articles/10727
Mittwoch, 10. Dezember 2014
In memoriam Ralph Giordano
Heute verstarb mit Ralph Giordano (* 1923) ein Autor, der sich in herausragender Weise sowohl um eine kritische öffentliche Auseinandersetzung mit der weitgehenden juristischen und politischen Nichtaufarbeitung des Kriminalitätskomplexes der Genozidverbrechen Nazideutschlands in der Bundesrepublik Deutschland, als auch um das Gedenken des Genozids an den Armeniern in Anbetracht der türkisch-nationalistischen Politik der Leugnung verdient gemacht hat.* Im folgenden sei aus Anlass des Todes des streitbaren Demokraten und Antifaschisten ein Kommentar zur Beteiligung Giordanos an einer religionspolitischen Kontroverse des Jahres 2007 dokumentiert.
„Ich werde auch weiterhin auf meiner kulturellen Selbstbestimmung beharren, auf einer Lebensform, die die meine ist und die in mannigfacher Hinsicht mit der muslimischen nicht übereinstimmt. Und ich will das sagen dürfen, unbehelligt. Ich will sagen dürfen, dass ich auf deutschen Straßen weder Burka noch Tschador begegnen will, so wenig wie Muezzin-Rufe von haushohen Minaretten hören.“
Diese Worte stammen nicht aus dem Munde eines völkischen Romantikers oder eines Klerikalkonservativen. Vielmehr stammen sie von dem deutsch-jüdischen Schriftsteller Ralph Giordano, der in der deutschen Öffentlichkeit bisher mit dem Anliegen einer kompromisslosen Aufklärung über die Völkermorde der Nazis assoziiert wurde.
So prangerte Giordano etwa in seiner Buchveröffentlichung „Die zweite Schuld oder Von der Last Deutscher zu sein“ (1987) das weitgehende Fehlen einer adäquaten Ahndung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen durch die Justizorgane der Bundesrepublik Deutschland und den Rückgriff auf Funktionseliten des „Dritten Reiches“ in die Apparate der Exekutiv– und Legislativorgane des demokratisch reorganisierten (West-)Deutschland an, verschwieg aber auch nicht die geschichtspolitisch fatalen Auswirkungen des (...) „verordneten Antifaschismus“ der DDR.
Was weniger bekannt sein dürfte: Insbesondere in den 80er Jahren engagierte sich Giordano vehement für eine Aufklärung der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit über den von der osmanischen Staatsführung ausgehenden Völkermord an den Armeniern 1915/16, was dem zivilcouragierten Autor seitens türkischer Nationalisten wüsteste, antisemitische Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen eintrug.
Genau dies wiederholte sich nun im Zusammenhang mit Giordanos kritischen Stellungnahmen zu einem geplanten Repräsentativbau einer Moschee in Köln-Ehrenfeld mit zwei 55 Meter hohen Minaretten – ein von allen etablierten kommunalpolitischen Kräften des sogenannten „Verfassungsbogens“ (Edmund Stoiber) kritiklos mitgetragenes Projekt, das Giordanos Auffassung nach eine Integration der Muslime vortäusche, die tatsächlich nicht gelungen sei:
„Meine Forderungen an die politische Leitung der Stadt Köln, die Pläne zum Bau einer zentralen Großmoschee in Köln-Ehrenfeld einzustellen, weil sie angesichts der gescheiterten Integration ein falsches Bild von den wahren Beziehungen zwischen muslimischer Minderheit und Mehrheitsgesellschaft entwerfen, haben mir Morddrohungen eingebracht, unmissverständlich und in türkischer Sprache – womit ich diesen Teil der muslimischen Minderheit nicht unter Generalverdacht stellen will.“
Der islamische Ansprechpartner der städtischen Behörden beim Bau der Großmoschee ist die Türkisch-Islamische Union (Ditib), die unter der Kuratel der – ursprünglich säkularistisch ausgerichteten, mittlerweile jedoch „fundamentalistisch“ durchsetzten – Religionsbehörde des türkischen Staates, Diyanet Isleri Baskanligi, steht.
Der Moscheebau-Kritiker Giordano hat sich (...) aus multikulturalistischer Sicht des Vergehens schuldig gemacht, aus der „ethnischen“ Nische, die man hierzulande einem überlebenden Juden gern zugesteht, herauszutreten und als deutscher Bürger Partei zu ergreifen (...). In diesem Sinne verwies der Kölner CDU-Oberbürgermeister Fritz Schramma expressis verbis auf das Verfolgtenschicksal Giordanos, um sein Unverständnis über dessen islampolitischen Standpunkt zum Ausdruck zu bringen, nach der Devise: Wem die Nazis das Recht auf Leben absprachen, der muss aus der Geschichte lernen – und islamistische Herrschaftsansprüche unterstützen.
Daniel Leon Schikora
* Die Jüdische Allgemeine würdigt ihren dienstältesten Kollegen Giordano hier: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/20981.
Mittwoch, 11. Juni 2014
Miloš Zeman lässt sich von antidemokratischen Kriminellen der OIC nicht einschüchtern
prag aktuell, 10.6.2014:
"Der tschechische Staatspräsident Miloš Zeman wird sich nicht für seine Ende Mai gemachten Äußerungen entschuldigen, in denen er den Islam selbst und nicht nur dessen falsche Auslegung durch Extremisten als ursächlich für Terror und Gewalt in der Welt brandmarkte.
Das berichtet heute die Online-Ausgabe der in Prag erscheinenden Tageszeitung Mladá fronta Dnes unter Berufung auf den Sprecher des Präsidenten, Jiří Ovčáček.
Eine Entschuldigung für die Aussagen zum Islam hatte dieser Tage Iyad bin Amin Madani (Foto), der Generalsekretär der Organisation für Islamische Zusammenarbeit (Organisation of Islamic Cooperation - OIC) vom tschechischen Staatsoberhaupt verlangt.
Er reagierte damit auf eine Ansprache Miloš Zemans, die dieser am 26. Mai anlässlich einer Feier zum Unabhängigkeitstag des Staates Israel im Prager Hotel Hilton gehalten hatte.
'Der Herr Präsident wird sich entschieden nicht entschuldigen. Denn der Herr Präsident würde eine Entschuldigung für das Zitieren eines heiligen islamischen Textes als Gotteslästerung erachten', zitiert iDnes.cz den Präsidentensprecher heute.
Gemäß dem auf der Webseite der 'Burg' veröffentlichten Redetext hatte Zeman am 26. Mai in Bezug auf den von religiösem Hass motivierten Terrorismus gesagt: 'Ich lasse mich nicht von Erklärungen beruhigen, dass es sich nur um kleine extreme Gruppen handelt, ich vermute im Gegenteil, dass diese Xenophobie und sagen wir dieser Rassismus oder Antisemitismus aus den eigentlichen Grundlagen der Ideologie hervorgeht, auf die sich diese fanatischen Gruppen stützen. Und erlauben Sie, dass ich als Beweis dieser Behauptung einen der heiligen Texte zitiere: "Der Baum ruft, hinter mir versteckt sich ein Jude, gehe und töte ihn. Der Stein ruft, hinter mir versteckt sich ein Jude, gehe und töte ihn."'
Aktueller Anlass für Miloš Zemans Aussagen zu Islam und Terrorismus waren der Anschlag im jüdischen Museum in Brüssel und die Entführung von 200 christlichen Mädchen in Nigeria durch die islamistische Terrorgruppe Boko Haram.
In einer am 5. Juni veröffentlichten Stellungnahme hatte die OIC-Menschenrechtsorganisation (IPHRC) die 'herabwürdigen Anmerkungen des Staatspräsidenten der Tschechischen Republik gegenüber dem Islam verurteilt' und ihre 'tiefe Besorgnis und starke Enttäuschung über das islamophobe Statement' ausgedrückt.
Zemans Äußerungen basierten auf 'Stereotypen gegenüber dem Islam', sie seinen 'konzeptuell falsch, faktisch falsch und irreführend'."
Samstag, 24. Mai 2014
Kein Unbedenklichkeitszeugnis
Mit Bedauern haben wir zur Kenntnis genommen, dass meine Stellungnahme zum SPD-Europawahlkampf (DIG-Hochschulgruppe Rostock warnt vor Relativierung des Neonazismus im SPD-Europawahlkampf, PM vom 29.4.2014) als eine Art 'Unbedenklichkeitszeugnis' für die Alternative für Deutschland (AfD) aufgenommen wurde. Uns in dieser Richtung zu positionieren, lag jedoch nie in unserer Absicht. In der in Rede stehenden PM sollten Tendenzen zu einer Verharmlosung des Neonazismus thematisiert werden, keineswegs jedoch wollten wir das Programm oder die Wahlkampfauftritte der – nichtneonazistischen – AfD für in Gänze unproblematisch, harmlos oder dergleichen darstellen.
An dieser Stelle sei daher darauf hingewiesen, dass wir Wahlkämpfe, die in bewusst polemischer Zuspitzung einwanderungspolitischer Debatten auf dem Rücken von Einwanderern ausgetragen werden, in jedem Fall für politisch inakzeptabel halten. Dies gilt auch für AfD-Parolen wie „Einwanderung ja – aber nicht in unsere Sozialsysteme“. Wir halten es für alarmierend, dass außerhalb des neofaschistischen oder ultrarechten Spektrums (erneut) durch Kampagnen dieser Art durchaus „erfolgreich“ Wähler mobilisiert werden konnten und können. Das gleiche gilt für die Vermengung berechtigter Kritik an undemokratischen Strukturen der Europäischen Union mit einer realitätsfernen Viktimisierung Deutschlands („Washington spioniert. Brüssel diktiert. Berlin pariert“), wodurch zumindest indirekt feindselige Einstellungen eines Teils der deutschen Bevölkerung gegen andere europäische Völker begünstigt werden. Schließlich beobachten wir mit Sorge die Neigung von Teilen der AfD zu einer Heroisierung von „Tabubrechern“ wie Thilo Sarrazin oder Akif Pirinçci, welche mit ihrem „Man-wird-doch-wohl-noch-sagen-dürfen“-Gestus strukturell nicht weit von den antiisraelisch-antisemitischen Agitatoren gegen einen vermeintlichen deutschen „Schuldkult“ entfernt sind.
Fernab einer Dämonisierung der AfD im populistischen Kontext des Anti-„Rechtsruck“-Europawahlkampfes der SPD, der der Gegenstand unserer PM war, erscheint es uns nicht nur als legitim, sondern auch als dringend geboten, sich kritisch mit Kampagnen auseinanderzusetzen, die substantiell gegen die Normen und Prinzipien einer offenen Republik gerichtet sind.
Daniel Leon Schikora
An dieser Stelle sei daher darauf hingewiesen, dass wir Wahlkämpfe, die in bewusst polemischer Zuspitzung einwanderungspolitischer Debatten auf dem Rücken von Einwanderern ausgetragen werden, in jedem Fall für politisch inakzeptabel halten. Dies gilt auch für AfD-Parolen wie „Einwanderung ja – aber nicht in unsere Sozialsysteme“. Wir halten es für alarmierend, dass außerhalb des neofaschistischen oder ultrarechten Spektrums (erneut) durch Kampagnen dieser Art durchaus „erfolgreich“ Wähler mobilisiert werden konnten und können. Das gleiche gilt für die Vermengung berechtigter Kritik an undemokratischen Strukturen der Europäischen Union mit einer realitätsfernen Viktimisierung Deutschlands („Washington spioniert. Brüssel diktiert. Berlin pariert“), wodurch zumindest indirekt feindselige Einstellungen eines Teils der deutschen Bevölkerung gegen andere europäische Völker begünstigt werden. Schließlich beobachten wir mit Sorge die Neigung von Teilen der AfD zu einer Heroisierung von „Tabubrechern“ wie Thilo Sarrazin oder Akif Pirinçci, welche mit ihrem „Man-wird-doch-wohl-noch-sagen-dürfen“-Gestus strukturell nicht weit von den antiisraelisch-antisemitischen Agitatoren gegen einen vermeintlichen deutschen „Schuldkult“ entfernt sind.
Fernab einer Dämonisierung der AfD im populistischen Kontext des Anti-„Rechtsruck“-Europawahlkampfes der SPD, der der Gegenstand unserer PM war, erscheint es uns nicht nur als legitim, sondern auch als dringend geboten, sich kritisch mit Kampagnen auseinanderzusetzen, die substantiell gegen die Normen und Prinzipien einer offenen Republik gerichtet sind.
Daniel Leon Schikora
Samstag, 3. Mai 2014
DIG-Hochschulgruppe Rostock warnt vor Relativierung des Neonazismus im SPD-Europawahlkampf
Pressemitteilung der DIG-Hochschulgruppe Rostock vom 29.4.2014:
Zu der SPD-Podiumsdiskussionsveranstaltung „Europa vor dem Rechtsruck? - NPD und AfD nach der 3%-Hürde“, die am 26. April 2014 unter Beteiligung von Bundesministerin Manuela Schwesig in Rostock stattfand, erklärt der Geschäftsführer der Hochschulgruppe Rostock der Deutsch-Israelischen Gesellschaft, Daniel Leon Schikora:
„Dass die Rostocker SPD im Rahmen des Europawahlkampfes ihrer Partei so weit geht, demokratische Konkurrenten mit Blick auf deren europapolitische Positionen in die Nähe einer neonazistischen Partei wie der NPD zu rücken, sollte jeden alarmieren, dem an der Förderung eines Konsenses der Demokraten im Kampf gegen antidemokratische, rassistische und antisemitische Tendenzen in unserem Land gelegen ist.
Die Neonazis der NPD treten kontinuierlich durch eine wüste Hetze gegen Juden, 'Ausländer' und politische Gegner hervor. Dahingegen sieht sich die Alternative für Deutschland (AfD) im aktuellen Europawahlkampf einer bundesweiten Kampagne militanter Feinde des demokratischen Verfassungsstaates ausgesetzt, die vor gewalttätigen Angriffen auf Eigentum und körperliche Unversehrtheit ihrer politischen Gegner nicht zurückschreckten. Wer behauptet, zwar unterscheide sich die AfD von der extremistischen NPD in ihren Mitteln, sie vertrete jedoch offensichtlich gleiche Ziele wie die Extremisten, erklärt auf diese Weise das politische Handeln der demokratischen Konkurrenten letztlich für illegitim und muss sich fragen lassen, ob er nicht bewusst und gezielt das Treiben von Extremisten begünstigt, die, wo es um den Kampf gegen 'Rechtspopulisten' und 'Europafeinde' geht, es mit Recht und Gesetz nicht allzu genau nehmen.
Was jedoch noch weitaus schwerer wiegt, ist die Bagatellisierung mörderischer rassistischer und antisemitischer Ideologien der Neonazis. Deren parteipolitische Heimat ist die NPD, nicht die AfD. Antisemitische Hetze geht hierzulande von deutschen Neonazis, Islamisten, türkischen und arabischen Nationalisten und bestimmten radikalen Linken aus. Von der AfD Mecklenburg-Vorpommerns sind uns keine Äußerungen bekannt, die irgendwie vergleichbar wären mit den Auslassungen des SPD-Politikers Dr. Norbert Nieszery über einen deutschen 'Schuldkult' im Zusammenhang mit der berechtigten Kritik an dem antiisraelischen 'Gedicht' des einstigen SS-Mitglieds Günter Grass im Frühjahr 2012.“
Fehlende Distanz zu Kooperation mit ukrainischen Neonazis
Die DIG-Hochschulgruppe stellt mit Bedauern fest, dass in der Podiumsdiskussion vom 26. April weder Ministerin Schwesig, noch die Spitzenkandidatin M-V für die Wahl des Europäischen Parlaments, Iris Hoffmann, gegen eine Kooperation der deutschen Regierung und der EU-Organe mit ukrainischen Neonazis Stellung zu nehmen bereit waren. Ministerin Schwesig wurde in der Podiumsdiskussion auf die Ukrainepolitik Außenminister Frank-Walter Steinmeiers angesprochen: Wie ist es mit der in Schwesigs Grußwort angeführten besonderen historischen Sensibilität deutscher Sozialdemokraten vereinbar, dass ein sozialdemokratischer deutscher Chefdiplomat in der Ukraine auch mit einem Neonazi wie dem „Swoboda“-Chef Oleg Tjagnibok zwecks Neubildung einer Regierung verhandelte und sich zudem ostentativ mit diesem fanatischen Antisemiten ablichten ließ? Schwesig räumte zwar ein, dass es tatsächlich bedenklich sei, mit „Swoboda“ zu kooperieren, rechtfertigte dieses Handeln jedoch unter Hinweis auf das diplomatische Ziel einer Deeskalation und strich heraus, dass es darauf ankomme, die anstehenden „freien Wahlen“ zu garantieren. Iris Hoffmann nahm zu diesem Komplex nicht Stellung.
Schikora gibt zu bedenken, „dass die Propagierung des Kampfes gegen einen 'Rechtsruck' in 'Europa' in einem unüberbrückbaren Gegensatz steht zum offenkundigen Einverständnis mit einer Politik der Begünstigung des Faschismus in einem der größten europäischen Länder, das an die EU grenzt, und dessen Beitrittsperspektive gern im Munde geführt wird. Mehr noch: Letztlich erscheinen die Dämonisierung von Demokraten als 'Europafeinden' und die Rechtfertigung der Kooperation mit tatsächlichen Neonazis als zwei Seiten einer Medaille: Wo heute umstandslos die AfD gewissermaßen für eine NPD light erklärt wird, ist nicht auszuschließen, dass - in ebendieser Logik - morgen die NPD den Ruf einer etwas radikaleren AfD erlangt. Jedenfalls stellt für uns jedweder Versuch, Neonazismus, Rassismus und Antisemitismus zu relativieren, ein No-Go dar.“
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Donnerstag, 7. Februar 2013
Mazlum Dogan: Antisemitische Äußerungen und Delegitimation Israels durch die BIG-Partei in Bonn
Mit Verwunderung musste ich die Kritik der BIG-Partei und des sachkundigen Bürgers der Grünen René El Saman bezüglich der Schirmherrschaft des Bonner Oberbürgermeisters Jürgen Nimptsch vom 23. September 2012 für den Israel-Tag zur Kenntnis nehmen.
In Ihrer Kritik führen sowohl die BIG-Partei als auch El Saman an, dass bei einer gemeinsamen Veranstaltung u.a. auch der Jüdische Nationalfonds (JNF) beteiligt war und dieser eine „nationalistische israelische“ Organisation sei. Der JNF unterstütze die israelische Siedlungspolitik und eine gemeinsame Veranstaltung sei deswegen nicht hinnehmbar, so die vorgeschobenen Argumente der BIG-Partei und ihres parteifremden Unterstützers Saman.
Dass es sich bei dieser Kritik um einen, mit vermeintlich völkerrechtlichen aber tatsächlich unlauteren Argumenten vorgetragenen, mehr als unglücklichen Versuch handelt zum einen die jüdische Community in Deutschland zu diskreditieren und zum anderen den Staat Israel zu delegitimieren liegt klar auf der Hand.
Wer ist die BIG-Partei und was sind ihre tatsächlichen Ambitionen?
Wer die BIG-Partei kennenlernen möchte, sollte sich den aufschlussreichen Artikel von Maximilian Popp in DER SPIEGEL, 37/2011, S. 47 durchlesen (siehe: http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-80362881.html) und den weiteren interessanten Artikel von Maximilian Popp und Markus Sehl, der unter http://www.spiegel.de/politik/deutschland/migrantenpartei-big-erdogans-berliner-lobby-truppe-a-786207.html abzurufen ist.
Der BIG-Partei wird darin vorgeworfen der deutsche Ableger der islamisch-konservativen türkischen Regierungspartei AKP zu sein, welche unter Führung des Ministerpräsidenten R. T. Erdoğan mehr als nur einmal die Beziehungen der Türken zu den Israelis mit aggressiver Rhetorik verschärfte. Popp schreibt in seinen Artikeln, dass der ehemalige stellvertretende Generalsekretär der vom Verfassungsschutz beobachteten islamistischen Milli-Görüs-Bewegung, Hasan Özdogan, mit dem Bundesvorsitzenden der BIG-Partei, Haluk Yildiz, gut befreundet ist und dass sich die beiden in muslimischen Verbänden in Bonn engagieren und sich ein Bürogebäude am Rhein teilen würden.
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Freitag, 11. Januar 2013
Der böse Jude
Derzeit tobt ein Krieg in den deutschen
Feuilletons über die Frage, ob die "Broders dieser Welt" als verrückt
abzustempeln und in die Psychatrie zu deportieren sind, wenn sie
jemanden der antisemitische Ressentiments bedient und die Existenz
Israels für die Kriege dieser Welt verantwortlich macht als Antisemiten
bezeichnen.
Hintergrund
ist, dass Henryk M. Broder mehrfach in seinen Artikeln auf die
antisemitischen Ressentiments Jakob Augsteins hinwies, die sich in
seinen Artikeln über Israel offenbarten. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum (SWC)
setzte zum Ende des Jahres 2012 Jakob Augstein auf die Liste der 10
antisemitischen/antiisraelischen Personen, wo er auf Platz 9
landete. Ein Sturm der Entrüstung brach daraufhin los,
weil das SWC unter anderem Henryk M. Broder für seine Entscheidung zitierte. Unter anderem! Denn das
Broder-Zitat war lediglich eines unter vielen. Doch auf genau dieses eine Zitat stürzte sich ganz Deutschland. Denn dieses eine Zitat stammte vom deutschlandweit bekannten bösen Juden, der einfach nicht den Mund halten will, sich zu allem und zu jeden äußert und dadurch den "Dialog" zwischen den "guten" opportunistischen Salonjuden und politisch korrekten Antisemiten stört.
Von Sachlichkeit ist seitens der Augstein-Helfer nicht der Hauch einer Spur. Die Angriffe gegen Broder sind allesamt persönlicher Natur.
Der
Wind scheint sich im öffentlichen Diskurs zu drehen. Die Opportunisten
spüren das und springen auf die vermeintlich bequemere Seite. Nämlich
auf die Seite derjenigen, die wissen, wie sie ihre Ressentiments in
einer glänzenden Verpackung der Öffentlichkeit präsentieren können. So,
dass der stinkende Inhalt zunächst nicht zu erkennen ist. Man aalt sich nunmal lieber am äußeren Glanz, statt sich mit dem Dreck innen drin auseinanderzusetzen.
Das ist in etwa die Situation um Jakob Augstein und seinen oppportunistischen jüdischen
Streithelfern einerseits und den wachsamen Spürnasen, den Broders dieser
Welt, andererseits.
Wer die Hintergründe nicht kennt, sollte das hier vom bösen Juden lesen:
"Niemand sprach Augstein das Recht ab, Israel zu kritisieren, mir wurde aber das Recht abgesprochen, Augstein für seine "Kritik" an Israel zu kritisieren, wobei mir von einem Kollegen sogar nahegelegt wurde, etwas mehr Demut und Dankbarkeit an den Tag zu legen: "Es spricht für den deutschen Rechtsstaat, dass Henryk M. Broder bis heute frei herumläuft ..." Ja, damit hat der deutsche Rechtsstaat seine schwerste Bewährungsprobe tadellos bestanden."
Die modernen Antisemiten argumentieren subtil
"Die Antisemitismus-Anschuldigung hat sich nicht auf Augstein als Person, sondern seine Zitate bezogen, so das Wiesenthal-Zentrum. Augstein solle sich endlich erklären."
Simon-Wiesenthal-Zentrum Organisation differenziert Antisemitismus-Vorwurf gegen Augstein
Die Top Ten 2012
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Donnerstag, 13. Dezember 2012
Wolfgang Benz disqualifiziert sich
Wolfgang Benz zählte einst zu den angesehenen Wissenschaftlern in Deutschland. Als Leiter des Zentrums für Antisemtismusforschung sprach er die facettenreichen Ausprägungen der Ressentiments gegenüber Juden an, die sonst keiner erkennen und ansprechen wollte.
Vll. ist er uns auch heute noch ein paar Schritte voraus, allerdings auf einem irregeleiteten Weg, der stark an das Verhalten korrumpierter Politiker erinnert.
Weshalb gerade Necla Kelek als Türkin und Muslimin nicht kritisch über den Islam schreiben dürfen soll und weshalb ausgerechnet ihre persönlichen Erfahrungen nicht Ausgangspunkt einer wissenschaftlichen Aufarbeitung sein dürfen, bleibt uns Benz in seiner Antwort schuldig. Womöglich ist diese Art der Herangehensweise zu konkret, zu lebensnah und damit zu schwierig zu bewältigen?
Weshalb gerade Necla Kelek als Türkin und Muslimin nicht kritisch über den Islam schreiben dürfen soll und weshalb ausgerechnet ihre persönlichen Erfahrungen nicht Ausgangspunkt einer wissenschaftlichen Aufarbeitung sein dürfen, bleibt uns Benz in seiner Antwort schuldig. Womöglich ist diese Art der Herangehensweise zu konkret, zu lebensnah und damit zu schwierig zu bewältigen?
Jedenfalls sind Benz "Studien" nicht auf eine "wissenschaftliche Erkenntnis" gerichtet, sondern haben den üblen Geschmack einer politischen Programmatik einer bestimmten Gruppe. Denn wer entschieden die kritische Auseinandersetzung mit Missständen als "Islomophobie" bezeichnet und diesen mit dem Antisemitismus gleichsetzt, betreibt keine Wissenschaft, sondern Agitation und Propaganda.
Das weiß Herr Benz selbst. Schade, das es so mit ihm enden musste.
"Aus den Juden des 19. Jahrhunderts werden im Computer des Professors flugs die Muslime des 21. Jahrhunderts. Wer einzuwenden wagt, dass dadurch Juden und Muslime gleichgesetzt würden und der Holocaust marginalisiert werde, beweist nur:
"Ebenso starke Emotionen wie dahinter zurückstehende intellektuelle Fähigkeiten."
Demzufolge wird aus dem Historiker Heinrich von Treitschke, der den Antisemitismus mitbegründete, im 21. Jahrhundert der Muslimfeind Thilo Sarrazin. Einer der Gründe für die Islamfeindschaft besteht für ihn im:
"Aggressivem Philosemitismus." [...]
Als Islamkritikerin macht der Professor unter anderem die Publizistin Necla Kelek aus. Der Umgang mit Kelek ist symptomatisch für das Buch. Über Kelek sagt er: Es sei Wagnis, an dem schon viele gescheitert sind ...
Ideologisch und voller Vorurteile"... persönliche Erfahrung mit der Erforschung ihrer Umstände zu verknüpfen."
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/lesart/1930609/
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Montag, 5. November 2012
"Mein Kampf", mein Minister?
Einem impotenten Hahne
Gleichend, stolzt ein Pangermane
Pochend auf das f r e i e Wort.
Es heißt Mord.
(Bert Brecht)
Aus einem Cicero-Interview mit Mathias Brodkorb, dem Bildungsminister des Landes, in dem der Präzedenzfall des Verbots einer Vortragsveranstaltung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft im universitären Raum* geschaffen wurde:
Voilà, ein israelkritischer Österreicher, der sich weder von den Bayern noch von den Juden vorschreiben lässt, darauf zu verzichten, einen anderen israelkritischen Österreicher zu rezitieren!
* Daniel Leon Schikora: Demokratie und Meinungsfreiheit nach pommerscher Gutsherrenart, in: Die Achse des Guten, 26.10.2012, http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/demokratie_und_meinungsfreiheit_nach_pommerscher_gutsherrenart/ .
Gleichend, stolzt ein Pangermane
Pochend auf das f r e i e Wort.
Es heißt Mord.
(Bert Brecht)
Aus einem Cicero-Interview mit Mathias Brodkorb, dem Bildungsminister des Landes, in dem der Präzedenzfall des Verbots einer Vortragsveranstaltung der Deutsch-Israelischen Gesellschaft im universitären Raum* geschaffen wurde:
Cicero: Sie selbst haben schon im Jahr 2003 ausgerechnet in der ehemaligen „Kraft durch Freude“-Ferienanlage Prora auf Rügen vor Jugendlichen aus „Mein Kampf“ gelesen. Wie kam es dazu?
Brodkorb: Das Land Mecklenburg-Vorpommern hatte damals beschlossen, Prora symbolisch zurückzuerobern und dort ein großes Jugendfest zu feiern. Um diese Veranstaltung politisch einzubetten, haben wir eine Reihe von Workshops angeboten, bei der es auch um die Nazi-Ideologie ging, die ja nicht zuletzt zum Bau dieser gigantischen Ferienanlage geführt hat. Und da haben wir in der Tat diese Lesung aus „Mein Kampf“ abgehalten.
Cicero: Ohne in Bayern vorher um Erlaubnis zu fragen?
Brodkorb: Selbstverständlich.
Cicero: Haben Sie damit eine Rechtswidrigkeit begangen?
Brodkorb: Das mögen die Bayern beurteilen. Ich meine, ich habe damals einen guten Beitrag zur Aufklärung geleistet.
[...]
Cicero: Stellen Sie sich vor, „Mein Kampf“ würde vom 1. Januar 2016 an zu einem Bestseller im deutschen Buchhandel. Das wäre doch eine ziemliche Katastrophe schon allein für das Ansehen der Bundesrepublik im Ausland.
Brodkorb: Nein, das wäre weder eine Katastrophe, noch ließe es Rückschlüsse auf den politischen Zustand der Bundesrepublik Deutschland zu. Es wäre vielmehr eine ganz natürliche Reaktion auf 70 Jahre Wegschließpolitik.
Cicero: Und wenn etwa die israelische Regierung darum bitten würde, „Mein Kampf“ in Deutschland nicht zu veröffentlichen? Könnten wir uns dieser Bitte widersetzen?
Brodkorb: Wenn ich nicht falsch informiert bin, können Sie „Mein Kampf“ in Israel sogar auf Hebräisch kaufen. Aber selbst wenn nicht: Kein Staat der Erde hat das Recht, den Bürgern eines anderen demokratischen Staates vorzuschreiben, was diese lesen dürfen und was nicht. Auch Israel nicht.
Voilà, ein israelkritischer Österreicher, der sich weder von den Bayern noch von den Juden vorschreiben lässt, darauf zu verzichten, einen anderen israelkritischen Österreicher zu rezitieren!
* Daniel Leon Schikora: Demokratie und Meinungsfreiheit nach pommerscher Gutsherrenart, in: Die Achse des Guten, 26.10.2012, http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/demokratie_und_meinungsfreiheit_nach_pommerscher_gutsherrenart/ .
Sonntag, 9. September 2012
"Du Jude" wieder in Mode
"Die Juden sind verfluchte Hurensöhne«, sagt der 17-jährige Levent.
»Selbst schuld, dass der Scheiß-Rabbiner eins auf die Fresse bekommen
hat«, ergänzt Murat. »Muss er halt nicht mit seiner Kack-Judenmütze auf
die Straße gehen.« Und Ömer findet: »Besser zu stark als zu schwach
drauftreten [...] Rechnet man die Zahlen hoch, gibt es rund 500.000 antisemitisch eingestellte Deutsch- Türken."Selbst schuld, der Scheiß-Rabbiner
http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/13919
Europas bedrohte Juden"Wir ficken deine Frau, wir ficken deinen Gott", schrien die "mutmaßlich arabischstämmigen" Täter (wie es so schön heißt), bevor sie Daniel A. bewusstlos prügelten."
http://www.welt.de/print/wams/debatte/article108922274/Europas-bedrohte-Juden.html
"Solch ein Angriff wie der auf einen Rabbiner in Berlin sei ein Angriff "auf uns alle", sagte der Vorsitzende des Koordinierungsrates der Muslime, Ali Kizilkaya, der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung". Dagegen müsse die Gesellschaft etwas tun. Der Appell Graumanns aber sei nicht nötig gewesen: "Muslime brauchen da keine Lehrstunde."
Muslime wehren sich gegen Graumann-Aufruf
"Du Jude. Es gibt nicht nur Hinter-, sondern auch Schulhöfe, wo das als sozialadäquates Schimpfwort gilt. Jüdische Fußballmannschaften bekommen auf dem Platz zu hören, dass man sie hätte vergasen sollen. Wer mit der Kippa durchs falsche Großstadtviertel läuft, wird angepöbelt. Die Prügel für den Rabbiner Daniel Alter, den arabischstämmige Jugendliche vor den Augen seiner Tochter zusammenschlugen - ein Extremfall, aber kein Ausnahmefall. Die Juden sind der Feind. Weil sie böse sind, die Palästinenser töten und die Weltherrschaft wollen, wie das die Leute im Fernseher sagen, der zu Hause läuft."
Antisemitismus geht uns alle an
http://www.sueddeutsche.de/politik/nach-angriff-auf-rabbiner-antisemitismus-geht-uns-alle-an-1.1456326Donnerstag, 30. August 2012
Dienstleistung für "antizionistische" Extremisten und Kriminelle
“Es muss als ein demokratiepolitischer Skandal ersten Ranges betrachtet werden, wenn eine staatliche Behörde im Mecklenburg-Vorpommern des Jahres 2012 erfolgreich ‘Empfehlungen’ gegen eine israelsolidarische Bildungsveranstaltung abgibt, um den Feinden der Demokratie, die sich nach ‘zionistenfreien’ Zonen sehnen, die Arbeit abzunehmen.” http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/uni_rostock_im_kampf_gegen_extremisten/
Freitag, 24. August 2012
18 Prozent Judenhass
Die "Erkenntnis" aus einer neuen Migrationsstudie sei, laut einem Bericht der Jüdischen Allgemeine, dass jeder fünfte Deutsch-Türke Juden für minderwertig halte und "keinerlei Verantwortungsgefühl für die Folgen der unsäglichen deutschen Geschichte" verspüre. Daran ließe sich der "Integrationsgrad" messen, heißt es.
Das Verhältnis der Türkei gegenüber dem Judentum sei zudem "ungeklärt", heißt es weiter.
Das Verhältnis der Türkei gegenüber dem Judentum sei zudem "ungeklärt", heißt es weiter.
Auffällig ist, dass der Autor Phillip Geißler allgemein bekannte Tatsachen, nämlich die, dass in der Türkei die Juden nunmal als "minderwertig" gelten und der Begriff "yahudi" als Schimpfwort verwendet wird, als ein "ungeklärtes Verhältnis zum Judentum" bezeichnet.
Der Autor drückt sich äußerst vorsichtig, fast schon ängstlich aus.Was kann der Grund sein?
Fürchtet er von türkischen Jugendlichen verprügelt oder von den türkischen Verbänden an den Pranger gestellt zu werden? Oder etwa die gemeinsame Politik türkischer und jüdischer Verbände zu gefährden? Die beispielsweise gemeinsam den Völkermord an den Armeniern leugnen und das Märchen vom unterdrückten, diskriminierten türkischen Muslim in Deutschland propagieren?
Man steht vor einem Dilemma. Nicht Deutsche, sondern die "Verbündeten" Deutsch-Türken sind das Problem. Der Judenhass stammt diesmal nicht aus Deutschland, sondern aus der Türkei.
Dies ist keine Folge der mangelnden Integration und Verantwortung für die deutsche Geschichte, sondern eine grundsätzliche Folge des nationalistischen Volkstumsdenkens der Türkei.
Wer nicht einmal die eigenen Genozide und Menschheitsverbrechen anerkennt und aufarbeitet, die er begangenen hat, der scherrt sich nicht um den Holocaust oder die dt. Geschichte. Und wenn doch, dann allenfalls aus taktischen Gründen.
"Jeder fünfte Deutsch-Türke glaubt, Juden seien minderwertig. Auch die muslimischen Verbände sind in der Verantwortung (...) [Deutsch-Türken] schleppen auch in ihren jüngeren Generationen ein Verhältnis zum Judentum mit, das aus dem Islam und der Türkei stammt und das immer noch als bestenfalls ungeklärt gelten muss."
Meinung: 18 Prozent Hass
"Shimon Peres: Armenian allegations are meaningless [...] Nothing similar to the Holocaust occurred. It is a tragedy what the Armenians went through but not a genocide." "
Israeli Foreign Minister Shimon Peres' Statement on so-called Armenian genocide
Donnerstag, 2. August 2012
"Verstehen Sie Spaß" auf ägyptisch
Eine ägyptische Moderatorin sitzt einem ägyptischen Schauspieler gegenüber und interviewt ihn. Eine vermeintliche Zuschauerin wird dazugeschaltet, die sich darüber beschwert, dass der ehrenwerte Schauspieler mit einem "dubiosen israelischen Sender" ein Interview führe und sich daher schämen solle.
Der Schauspieler erstarrt, die Zuschauerin wird weggeschaltet und die Sendung mit einer Werbepause unterbrochen.
In der Pause hakt der Schauspieler bei der Moderatiorin nach, ob es sich tatsächlich um einen israelischen Sender handele. Sie bejaht. Er beschwert sich, man habe ihn also angelogen und sich als deutscher Sender ausgegeben. Ein Mann vom Produktionsteam kommt dazu und provoziert ihn. Der Schauspieler regt sich derart auf, dass er anschließend das Studio auseinandernimmt und die Moderatorin schlägt.
Dieser Vorgang wiederholt sich noch mehrmals mit weiteren Studio-Gästen, die ihrer Wut, in einem vermeintlichen israelischen Sender verulkt worden zu sein, durch das Zertrümmern und Verprügeln des Produktionsteams Luft verschaffen.
Zum Ende folgt die Aufklärung und alle verbrüdern sich wieder. "Wir sind alle Ägypter. Hoch lebe Ägypten".
Warum ein Format wie "Verstehen Sie Spaß" in Ägypten problematisch sein kann. Und warum man sich nicht als Jude oder Israeli in Ägypten ausgeben sollte, seht ihr hier.
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