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Samstag, 11. April 2015

Mihran Dabag und Kristin Platt: Verlust und Vermächtnis

"100 Jahre nach dem Genozid an den Armeniern (1915/16) kommen in diesem Buch Überlebende zu Wort. Sie berichten von den Deportationen, von Todesmärschen, Hunger, unvorstellbarer Gewalt und bitteren Verlusten. In ihren biographischen Rückblicken suchen sie eine Einordnung für eine Erfahrung, die keine Worte kennt. 
Die Lebensberichte wurden über einen längeren Zeitraum im Rahmen eines Oral History-Projekts aufgezeichnet und werden jetzt, nach dem Tod der Gesprächspartner, zum ersten Mal als Buch publiziert.
Sie bezeugen den Verlust von Kindheit und Familie, von Hoffnungen und Zukunft. Doch gewähren sie auch einen Einblick in die Schwierigkeiten, einen Alltag zurückzugewinnen und ein Leben als Flüchtling zu bewältigen. 
Bestimmt werden die lebensgeschichtlichen Erzählungen dieser letzten Zeitzeugen vom »Gehen und Gehen« während der Deportation, das über von Leichen gesäumte Wege führte, das Hunger war und brutalste Gewalt."

Samstag, 23. August 2014

Prof. Dr. Mihran Dabag: "Mit der Gründung der Republik Türkei im Jahr 1923 verstummte die Diskussion."

"Es hat eine große Debatte in der Öffentlichkeit, später dann auch im Parlament, über die Politik der Jungtürken eingesetzt, in der die Verbrechen an den Armeniern offen benannt und die Fragen nach Schuld, Verantwortung und Bestrafung intensiv diskutiert wurden.[20] Die Positionen reichten dabei von vereinzelten Feststellungen einer kollektiven Schuld (so ließ etwa die Zeitung Yeni Istanbul am 30. November 1918 verlauten "Wir alle sind Täter"[21]) bis hin zur Zuweisung der Schuld an eine verbrecherische kleine Clique jungtürkischer Machthaber, die mehrheitlich nicht der türkischen Rasse zugehörig sei und keine echten Muslime gewesen seien - bei gleichzeitiger Entschuldung des türkischen Volkes (so Innenminister Ahmet Izzet am 13. Februar 1919 in der Zeitung Tasvir-i Efkâr[22]). Einhellig wurde die vollständige Aufarbeitung der Verbrechen und die Bestrafung der Täter als zentrale Aufgabe und moralische Pflicht begriffen.[23] 

Mit der Gründung der Republik Türkei im Jahr 1923 verstummte die Diskussion. Nahezu alle in den Istanbuler Prozessen verurteilten Personen wurden rehabilitiert. Damit begann eine Politik staatlich propagierter Leugnung des Geschehens durch die Republik Türkei. Bis heute wird die Qualifizierung der Ereignisse der Jahre 1915/16 als Genozid von der offiziellen Türkei bestritten."