Donnerstag, 2. August 2012

Eser Polat - Ich sehe was, was Ihr nicht seht!

"Ich sehe was, was Ihr nicht seht: Gedanken über die Selbstverständlichkeit der Freiheit."

Gerade schreibe ich an einem Buch. Tut heute ja schließlich jeder. Der Arbeitstitel lautet „Deutschland seni seviyorum! 10 Gründe weshalb ich Deutschland liebe“.

Im Vorfeld habe ich mich gefragt: Wirst du auf 10 Gründe kommen? Würden dir überhaupt 10 Gründe für irgendetwas einfallen? Zum Beispiel 10 Gründe, weshalb du deine Freundin liebst oder 10 Gründe, weshalb du nicht Bürgermeister von Hoyerswerda werden möchtest. 10 Gründe, warum du auch weiterhin Mitglied der FDP bleiben solltest.

Die Ausgangsfrage konnte ich, um ehrlich zu sein, sehr schnell mit einem eindeutigen „Ja“ beantworten. Ja, mir fallen 10 Gründe ein, weshalb ich Deutschland liebe. Mindestens. Ebenfalls 10 Gründe habe ich für meine FDP Mitgliedschaft gefunden – dies nur am Rande. Es war nicht diese deutliche Antwort, die mich überraschte und ins Grübeln brachte, sondern vielmehr die Zusammensetzung der 10 Gründe.

Nahezu alle 10 Gründe, weshalb ich mein Land, Deutschland liebe, hängen mit Grundwerten zusammen. Grundwerte, die teilweise in unser Grundgesetz geschrieben wurden, um Gültigkeit bis in alle Ewigkeit zu haben. Und die zu einem anderen Teil als unausgesprochene Grundsätze unser aller Zusammenleben in diesem schönen Land prägen. Als common sense, way of life, roter Faden, Leitfaden, Leitbild, Leitkultur und manchmal auch als Leidkultur.

Ich liebe Deutschland, weil meine alevitisch-türkischen Eltern die Freiheit hatten, mich als kleines Kind einem älteren, christlich-deutschen Ehepaar anzuvertrauen, wenn sie zur Arbeit gingen. Und dies, ohne negative Konsequenzen befürchten zu müssen.

Ich liebe Deutschland, weil ein älteres, christlich-deutsches Ehepaar die Freiheit hatte, sich um mich, den kleinen Türkenbengel zu kümmern, ohne dass es hierfür angefeindet wurde.

Ich liebe Deutschland, weil ich damals in meiner türkischen Grundschulmodellklasse in Nürnberg an Ramadan eine GROSSE, FETTE BIFI SALAMI verdrücken konnte, ohne dass meine Eltern wegen dieser sprichwörtlichen „Schweinerei“ von einer besorgten Schulleitung zum Rapport bestellt wurden. Ja, besonders an Ramadan schmeckt mir die Bifi halt besonders gut..

Ich liebe Deutschland, weil ich 1994 als 16-jähriger meine erste Presseerklärung herausgeben konnte, in der ich die Verfolgung und Unterdrückung der Aleviten in der Türkei schilderte, ohne dass mich Helmut Kohl in eine Umerziehungsanstalt gesteckt hat, weil er mich als Gefahr für die nationale Sicherheit sieht. Noch viel mehr liebe ich Deutschland, weil die Nürnberger Nachrichten mich ernst genommen und tatsächlich einen Artikel daraus gemacht haben.
Ich liebe Deutschland, weil es hier einen verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Geschichte gibt. Es gibt eine beeindruckende Gedenk- und Erinnerungskultur.


Jaaa jaaa, schon gut, meine lieben Freunde am politisch korrekten Rand der Gesellschaft. Ich kann euch bereits hören, ihr brüllt ja auch wie immer laut genug: „In Deutschland gibt es aber immer noch rechte Dumpfbacken und sogar echte (Neo)Nazis. Die greifen immer wieder Ausländer an, verüben Brandanschläge auf Asylbewerberheime und türkische Wohnhäuser und die Morden sich sogar 10 Jahre lang unentdeckt aber gut gedeckt durch die Republik. Ich schäme mich ein Deutscher zu sein!“

Ja. Stimmt. Scheiße sowas! Gibt’s aber überall! Soll keine Entschuldigung sein, ist aber so!

Entscheidend ist für mich als potentiell ausländerfeindlichkeitsgefährdeter Randgruppenvertreter mit Migrationshintergrund (pot afg RGV m MiHiGru) einzig und allein die Reaktion der Verantwortlichen in der Politik und der Gesellschaft. Stets entschuldigt sich bei Tragödien dieser Art die gesamte Staats- und Regierungsspitze. Abgeordnete kondolieren. Diskussionen beginnen, Präventionsprogramme werden gestartet. Opfer werden als solche anerkannt und entschädigt. Die Opfer werden eingebettet in die kollektive Gedenk- und Erinnerungskultur. Dafür liebe ich dieses Land.

Ich liebe Deutschland, weil mein alevitischer Glaube hier anerkannt ist. Ich kann mich als Alevit zu meinem Glauben bekennen und ich habe als gläubiges Individuum die Deutungshoheit und das Selbstbestimmungsrecht in Bezug auf meinen Glauben. Ich muss mir nicht von jedem dahergelaufenen sunnitischen Imam oder türkischen Staatsbeamten erklären lassen, was es mit meinem Glauben auf sich hat.

Ich liebe Deutschland, weil meine Mutter, die seit 1972 bei Siemens angestellt ist und nach über 40 Jahren betriebsbedingt auf die Straße gesetzt werden sollte, vor einem Arbeitsgericht gegen die Kündigung klagen DURFTE. Noch mehr liebe ich Deutschland, weil der zuständige Arbeitsrichter die Vertreter von Siemens und dem bayerischen Metallarbeitgeberverband der Lächerlichkeit preisgegeben und die Kündigung mitsamt Sozialauswahl in der Luft zerrissen hat.

Ich liebe Deutschland, weil es mir und den Menschen die ich Liebe, in höchstem Maße Sicherheit bietet. Sicherheit vor Katastrophen, Sicherheit vor Kriminalität und Terror, Sicherheit vor Wirtschaftskrisen aber auch Sicherheit vor sich selbst. Denn der Staat sieht sich in Deutschland als das, was er seiner Natur nach auch ist: Als potentielle Gefahrenquelle für die Grundfreiheiten der Menschen.

Ich liebe Deutschland, weil ich hier so sein darf, wie ich sein möchte und weil ich die Chance bekomme, andere so sein zu lassen, wie sie sein möchten, selbst wenn es auch mir manchmal schwerfällt und ich mich zusammenreißen muss. Ich liebe Deutschland, weil hier auch eine Pappnase von der NPD demonstrieren darf und von der Polizei geschützt wird, solange die Partei nicht verboten ist.

Und schließlich liebe ich Deutschland, weil man hier demütig ist und die linke Wange hinhält, wenn man auf die rechte geschlagen wurde und sich nicht gleich in seinem Stolz oder gar seiner Ehre verletzt fühlt.

Viele dieser Liebesgründe lassen sich auf ein Wort reduzieren: Freiheit!

„Oh mann, war ja so was von klar…“ werden sich jetzt einige denken. „Was sonst soll einer von der FDP auch sagen.“

Ich sehe was, was ihr nicht seht meine Freunde. Und das ist die Freiheit, in der wir in Deutschland leben.

Ihr seht die Freiheit nicht, weil ihr nichts anderes kennt. Ihr seht die Freiheit nicht, weil sie euch jeden Tag und überall umgibt. Ihr seht die Freiheit nicht, weil sie euch nichts kostet, ihr den Preis der Freiheit nicht bezahlen müsst. Ihr seht die Freiheit nicht, weil sie mittlerweile selbstverständlich ist. Weil der Wert der Freiheit zur Selbstverständlichkeit verkümmert, zur Bedeutungslosigkeit degradiert und zur beliebigen Austauschbarkeit degeneriert ist. Austauschbar, wie jedes Konsumgut, dass wir mit einer Geiz-ist-geil Mentalität verschwenden.

Mir tut das weh! Ja, ich leide wie ein Hund! Nix Polemik - Ernst!

Multiple Perspektiven, der Einblick in unterschiedliche Kulturen und Länder, die Kenntnis und Erfahrung des Fremden ist oftmals eine Bereicherung. Jedoch zu sehen, wie wir mit unseren Freiheiten umgehen, dass wir sie als selbstverständlich, ja als Gottgegeben ansehen, während im Land meiner Eltern die Menschen für den Erwerb oder den Erhalt von Freiheiten ins Gefängnis gehen müssen oder ihre körperliche Unversehrtheit, ja gar ihr Leben riskieren müssen, tut unendlich weh!

Ein altes christliches Ehepaar läuft in der Türkei immer noch Gefahr als Missionierer gebrandmarkt zu werden, wenn es auf ein türkisch-muslimisches Kind aufpassen würde. Eltern hingegen müssten sich in vielen Ecken des Landes die Frage stellen lassen, ob sie vom wahren Glauben abgefallen sind.

In einer türkischen Schule heißt es an Ramadan: Nix Essen! Maul halten! "Maul halten" gilt natürlich auch für die Eltern, wenn sie sich beschweren möchten.

In der Türkei eine politische Presseerklärung zu schreiben ist für einen Jugendlichen ungefähr so gefährlich, wie in Deutschland eine Bombenbauanleitung mitsamt Sprengbefehl im Namen Allahs auf Youtube zu laden und den Link mitsamt eigener Anschrift an das BKA zu senden. Indes hätte es der Insasse eines deutschen Gefängnisses mit vergleichsweise paradiesischen Zuständen zu tun und kann sich berechtigte Hoffnungen auf ein faires und rechtsstaatliches Verfahren machen.

Gedenk- und Erinnerungskultur in der Türkei? Super Thema! Die Türkei ist Weltmeister in Sachen Gedenk- und Erinnerungskultur.

Wir Türken haben ehrenvoll den Befreiungskrieg gewonnen und die moderne Türkei gegründet. Daran erinnern wir uns gerne. Wir Türken sind die Nachfahren der großen Osmanen. Auch daran erinnern wir uns wieder gerne. Und natürlich: Wir Türken haben die Toleranz und Multikulturalität erfunden. Schließlich haben im Osmanischen Reich Muslime, Christen und Juden friedlich zusammen gelebt. Wie könnte es auch anders sein?

Aber mal im Ernst: In der Türkei kann man noch nicht einmal offen und tabulos über Fragen der Gegenwart diskutieren. Wie könnte ich mir da Bemerkungen über die türkische Vergangenheit und das Gedenken daran erlauben?

Kurden? Hää?…Bergvolk! Keine Kultur, unzivilisiert und eine hässliche Sprache. Alles Terroristen.

Armenier? Hää?…Nie gehört. Ach die wurden vernichtet…wie traurig!…Wie? Von uns? Infam!!!…Die sind doch alle freiwillig in die syrische Wüste gewandert! Ohne Wasser! Alles klar!

Aleviten? Hää?…Ungläubige…Ohne Scham und Moral…Die treiben es doch alle miteinander in der Familie! Ach vielleicht doch nicht…sind ja schließlich auch Muslime! Und wenn sie es nicht sein wollen… dann töten wir sie einfach!

Und nochmal im Ernst: Wer so mit seinen Mitmenschen in der Gegenwart umgeht, der hat erst recht keine Gedenk- und Erinnerungskultur.

Noch mehr Gegensätze möchte ich hier nicht ausbreiten. Ich denke die Botschaft ist angekommen. Es ist eine Qual zu sehen, dass wir unsere Freiheiten nicht mehr zu schätzen wissen, während anderswo Menschen dafür ihr Leben geben.

Die Freiheit, die ich in Deutschland sehe ist nichts Selbstverständliches. Würdet ihr sie auch sehen, wüsstet ihr das. Die Freiheit, die ich sehe ist zart und fragil, wie eine kleine Pflanze. Sie will gehegt und gepflegt werden. Sie muss jeden Tag gegossen werden und sie muss jeden Tag beschützt werden. Beschützt vor denjenigen, die unachtsam mit ihren Stiefeln auf der Wiese trampeln und gar nicht mitbekommen, welch zarte Pflanze sie zertreten.

FDP hin oder her. Die Freiheit, die ich sehe ist nicht GELB. Die Freiheit die ich sehe ist ROT! Rot wie das Blut derjenigen, die auch in unserer deutschen Vergangenheit ihr Leben für die Freiheit gegeben haben, weil sie es wollten oder aber weil sie es mussten.

Und sie ist rot wie das Blut derjenigen, die auch heute noch überall auf der Welt für ihre und unsere Freiheit ihr Leben geben, weil sie es wollen…………

..........oder aber weil sie es müssen.

Zum Autor:  
Eser Polat ist Jurist und Mitglied im bayerischen FDP Landesvorstand.

Kommentare:

  1. toll!!!! und viel toller ist, dass meine Glaubensrichtung Alevitentum solche tollen Menschen hat.. der Mensch liegt bei uns im Mittelpunkt, wir sind offen für allte Kulturen.. !!! Danke Eser

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  2. Sehr Schwach...von Toleranz ist in der Türkei nichts zu spüren. Deswegen war erst vor einigen Tagen ein Vorfall gegen Türken und Kurden alevitischen Glaubens und gegen die Kurden...würde den Artikel als befriedigend bewerten, da ich in der Türkei keinerlei Toleranz sehe, da alles, was gegen den Staat geht mit äußerster Brutalität zerschlagen wird.

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  3. Guter Artikel! Selbstkritisch und amüsant. Der Doof vor mir hat den text nicht verstanden. Bei drei gehirnzellen ist das kein wunder! Wo liest du geri zekali etwas von toleranz in der türkei? Der Eser zieht doch voll über die türkei her, weil sie das behauptet aber nicht praktiziert!! Du bist echt zu peinlich...man man.....

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  4. Guter Inhalt jedoch eine sehr subjektive Wahrnehmung...die Themen über die verschiedenen Völker und Minderheiten sind deutlich aus der Vergangenheit gegriffen und spiegelt nicht die aktuelle Situation wieder...Meinst du etwa es ist hier problemlos gewesen als der Koran kostenfrei verteilt wurde...was für ein medienspektakel entstand...also das gibt es überall...leider Gottes sind viele noch intellektuel minderbemittelt um diese Freiheiten anzuerkennen...da spielt der Glauben, die Herkunft und die Kultur keine Rolle...und es ist meines Erachtens nach sehr simpel wenn man sich auf das Schweinefleisch reduziert..es ist die aufgabe eines jeden praktizierenden Moslems ob Alevite Sunnite oder Schiite den anderen aufmerksam zu machen, dass dieses sich u.a. nicht gehört...mehr nicht...ich finde Deutschland super mit all seinen Rechten und Pflichten und Freiheiten aber dennoch das Herkunftsland der Eltern sehr ins Lächerliche gezogen und nicht für die Allgemeinheit repräsentativ...die Fehler lagen alle in der Vergangenheit...bedarf keiner Diskussion denn es waren verschiedene Umstände wodurch alles entstanden ist...die Münze hat immer zwei Seiten...lg KKK

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    1. kubilay, du Armes Opfer, du! Da vergleichst du Extremisten,die in deutschland den koran verteilen, mit den Armeniern, kurden und aleviten, die aus Rassenhass und fremdenfeindlichkeit verfolgt und ermordet werden von deinen faschistischen landsleuten in der türkei.

      erkennst du den völkermord an den armeniern an? erkennst du das alevitentum als religion an? erkennst du die kurden als eigenständiges volk an? wenn nein, bist du ein faschist! und das ist die gegenwart, nicht die vergangenheit, kapiert?!
      Der türkische Staat erkennt das alles nicht an, das ist ein faschistischer Staat und jeder der das gutheißt, ist es auch. die türkei unterstützt Al-Kaida und die Terroristen in Syrien, kriegt aber die hosen voll, wenn kurden freiheit wollen.

      deutschland wird langsam aufgeklärt und die erkennen, was für ein Pack ihr faschistischen Türken seid.

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  5. Interessanter Blog..
    Du greifst Themen auf, die sich in der Gesellschaft und in dir widerspiegeln.
    Persönliche Kritik und doch wieder die richtige Distanz.
    Wertfreiheit existiert demnach nicht. Der Versuch Dinge wertfrei zu sehen, ist der größte Ansporn und eröffnet einem viele Türen. Türen des Denkens.

    http://zwischenkultur.blogspot.de/
    Vielleicht interessiert dich auch mein Blog.

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  6. Es scheint eine gewisse Exzentrik die Feder des Autors gesteuert zu haben. Amüsanter Artikel, aber unterm Strich zu viel selbstgefällige Selbstdarstellung.

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    1. Selbstdarstellung? Hab ich was überlesen? Der Herr Polat schreibt doch über positive Erlebnisse in Deutschland und stellt dem Fakten oder seine Ansicht über die gleichen Punkte in der Türkei gegenüber. Er schreibt über seine eigene Erlebnisse und das ist das einzige "selbstdarstellende".

      Guter Artikel! Gefällt mir!

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  7. Dazu fällt mir nur folgendes ein:
    http://www.youtube.com/watch?v=7kf7fujM4ag

    Und zu diesem Blog und dem Scheinalevitentum bei Leuten, die auf Alevitentum machen und zum Gebet in die Kirche gehen, fällt mir folgendes ein:
    http://www.max-behrendt.de/texte/dissertation/kap21.html
    "Er erwähnt auch, daß zu Ende des 19. Jahrhunderts eine beträchtliche Zahl von christlich-armenischen Dörflern es vorzog, „Kurden“ zu werden, daß sie also zum Islam konvertierten und die kurdische Sprache annahmen und daß ihre Nachfahren heute allgemein als „Kurden“ akzeptiert werden.(81) Ist auf diese Weise das „Sich-als-Kurde-verstehen“ schon in der Perspektive mehrerer Generationen überaus fließend ..."

    Ein armenisch-alevitischer-kurdischer Freundeskreis also, das sich hier getroffen hat. Was sich hier getroffen hat, liegt wohl klar auf der Hand. Und es scheint sehr nützlich zu sein, sich mal als Kurde, mal als Alevite, mal als Armenier und als Türke zu geben, je nachdem, wie man es braucht und nützlich erachtet.

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  8. Und noch etwas, die Aleviten sind ja in der Türkei als sehr friedfertig bekannt, die reinsten Humanisten, ihnen strahlt regelrecht die Sonne aus dem Arsch. Deswegen, weil sie ja so friedfertig sind, hängen sie sich ja auch ein Schwert als Symbol um den Hals. Und weil Aleviten immer unterdrückt wurden und niemals unterdrücken, haben sie überhaupt nicht unter den Kemalisten und dem türkischen Militär in höchsten Posten sunnitische Moslems unterdrückt und ausgegrenzt, auch keinerlei Morde durchgeführt, stimmts. Deswegen kommt ja bei den sunnitischen Moslems eine so grosse Begeisterung auf, wenn sie an die ganzen alevitischen und friedliebenden Generäle denken, die so einige Male die Türkei mehrfach beglückt haben.
    Und ganz besonders interessant wird es mit den sehr friedliebenden Aleviten, wenn ich mir diese Demokraten und Humanisten so zahlreich bei der DHKP-C, KP oder der PKK betrachte. Das muss man sich mal vorstellen, die wurden so sehr unterdrückt, dass sogar die PKK mit dem tiefen Staat, dem Jitem und diesen friedliebenden alevitischen Generälen gemeinsame Sache gemacht hat.
    Nein, das gibt es alles nicht. Ein Alevite kann niemandem ein Haar krümmen und gerade deswegen hat er garkein Krummschwert um den Hals hängen.
    Auch Armenier und Kurden sind als äusserst friedfertig und überhaupt nur und immer als Opfer bekannt, niemals als Täter oder gar Massenmörder. Ganz besondere Phänomene sind übrigens die Mischung davon. Da ergibt sich insbesondere dabei eine Friedfertigkeit, da stirbt man schon aus Langeweile.
    Du solltest übrigens mit Deinem Buch lieber an einen Psychologen gehen, anstatt an die Öffentlichkeit. Diese ganze extreme Anbiederung, Arschkriecherei und Schleimscheisserei, so etwas findet man sonst nur bei toitschtümelnden Rechten "Deutschland, Deutschland über alles ..."

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    1. Es gibt doch überall schwarze Schafe. Ob Christen, Sunniten, Aleviten oder andere. Darauf kann man sich einigen. Kein Mensch möchte Aleviten als die Übermenschen darstellen, weil der Mensch nunmal Mensch ist, ist er nicht perfekt und hat auch Schwächen und Fehler. Sunniten haben Aleviten unterdrückt und Aleviten haben auch Sunniten unterdrückt, wenn sie die Möglichkeit dazu hatten. Das ist immer ein hin und her, je nachdem wer die Chance hat und die Möglichkeiten findet. Wer Macht hat, nutzt es auch für eigene Zwecke aus. Ob Sunnit oder Alevit oder Christ, spielt keine Rolle und kann man in jeglicher Konstellation beobachten. Wichtig ist die Differenzierung zu sehen und nicht von falsch geleiteten Personen auf alle zu schliessen und falsch ist es auch, Fronten aufzubauen, die Gesellschaft zu spalten und Menschen damit gegeneinander aufzubringen.

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  9. Folklorefest: Zusammenstöße blieben aus
    http://www.nordbayern.de/region/fuerth/folklorefest-zusammenstosse-blieben-aus-1.402273
    "Das umstrittene „Folklorekonzert“ der Türkischen Föderation", beobachtet vom deutschen Verfassungsschutz. Soweit so richtig zu diesem Verein. Damit zunächst einmal kein Problem. Aber was sehen da meine entzündeten Äuglein, was steht da nochmal unter dem Bild und was für eine Fahne ist da rechts auf dem Bild? Da steht "Eser Polat (Mitte, mit Mikro), Vertreter der Alevitischen Gemeinde". Sehr interessant! Und mit wem stehen sie so da in geselliger Runde, die Antifa-Fahne demonstrativ vor sich auf den Boden ausgebreitet.
    Und was steht zum Thema Antifa beim deutschen Verfassungsschutz? Werden die nicht zufällig als verfassungsfeindlich, linksextremistisch und demokratiefeindlich eingestuft, einhergehend mit Gewaltbereitschaft, entsprechenden Straftaten und Militanz?
    Und beim Thema Zentralrat der Armenier könnte ich hier auch einen Bogen spannen zu den sehr interessanten Verbindungen zu deutschen Neonazis und Rechtsextremisten, die ebenfalls den grandiosen Spagat schaffen, gleichzeitig auch auf PKK-Demos aufzutauchen als eben dieser Verein. Ein Thema, das man in den Kreisen nicht weiter erläutern braucht. Auch nicht das umtriebige Verhalten von seltsamen alevitischen Vereinen, die mühelos den Spagat zwischen Linksextremistischen Gruppen und Beteiligung in diesen und rechtsdrehenden CDU/CSU Kreisen schaffen, auch keine Berührungsängste kennen zu rechten und ultranationalistischen Armeniergruppen. UWie Das sind schon sehr merkwürdige Verhaltensweisen. Die entscheidende Frage lautet allerdings, inwieweit Deutschland und die Deutschen daran interessiert sind, dass hier gewisse Leute ihre künstlichen Konflikte und Ersatzkriege auf deutschem Boden austragen, dabei versuchen Deutsche vor den Karren zu spannen.

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  10. Man sollte die Begriffe wie Freiheit, Demokratie nicht überstrapazieren, um sich zu profilieren und sich im besseren Licht, sich als etwas besseres darzustellen. Es gibt auch Rechtsradikale (siehe ProKöln oder Die Freiheit) und auch Terroristen (siehe PKK), die ebenfalls solches Bullshitbingo benutzen, von Freiheit und Demokratie sprechen, für das sie angeblich stehen würden.
    Man wird nicht daran gemessen, was jemand sagt und von sich behauptet, sondern daran, wie sich jemand verhält. Ob jemand auf dem Boden des Grundgesetzes steht und die dort befindlichen Grundwerte auch wirklich vertritt. Ich frage mich bei einigen von der AABF, wieso sie so umtriebig sind von rechts gepolten CDU/FDP bis (ultra-)nationalistischen Armenierkreisen, aber keine Kontakte zu sunnistisch moslemischen Vereinen. Das ist das, was ich beobachten kann. Vielleicht ist mir auch irgendetwas entgangen. Aber ich bin auch nicht der einzige, dem das sehr seltsam vorkommt.

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    1. Wieder so ein Turkishpress Beitrag. Wieso hat die AABF keine Kontakte zu sunnitischen Moslemvereinen? Schon mal daran gedacht, dass deine Moslemvereine keinen Kontakt zu den Aleviten haben wollen? Schon mal daran gedacht, dass Aleviten die Schnauze voll haben von Sunniten, die sie bevormunden, die sie klein halten, die sie unterdrücken und angreifen? Man!!!!! Denk mal nach!

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    2. Das stimmt einfach nicht, was Sie behaupten. Es gibt sehr viele und sehr zahlreiche Kontakte und gemeinsame Veranstaltungen von sunnitischen und alevitischen Vereinen. Die AABF hatte bereits nicht nur mit sunnitischen, sondern auch anderen alevitischen Vereinen große Probleme, auch innerhalb ihres Vereins. Vor allem die Behauptungen von Vereinsmitgliedern der AABF, daß sie angeblich nichts mit dem Islam zu tun hätten, hat bei vielen Aleviten großen Unmut ausgelöst und diese haben sich von der AABF danach distanziert und gingen zu anderen alevitischen Vereinen über - über unser Forum aleviforum.com können sie die damaligen Ereignisse und Diskussionen verfolgen. Ich persönlich kenne Mitglieder von der AABF, die neben dem Zülfikar gleichzeitig ein Kreuz um den Hals hängen haben! Was sagen Sie dazu? Und diese Dinge haben bei vielen Aleviten großes Erstaunen ausgelöst. Entweder ist man Christ oder Alevit. Einerseits sagen sie, daß sie nicht von den Sunniten assimiliert werden möchten, andererseits versuchen die selben Aleviten christlicher zu erscheinen - auch das ist eine Assimlierung und vor allem hat das nichts mit dem Alevitentum zu tun. Das ist ein großer Widerspruch in sich. Deswegen sage ich, wenn Leute ihre ursprünglichen Wurzeln wiederentdeckt haben und ohnehin keinen so großen Bezug zur Religion und Traditionen des Alevitentums haben, sollen sie doch Christen bleiben und nicht hybride Positionen versuchen einzunehmen. Es gibt viele, die sich ihren ursprünglichen Religionsherkünften nicht so bewußt sind und ihre eigenen Identitäten ins Alevitentum bringen. Zum Beispiel auch die Yeziden-Aleviten. Da habe ich auch schon welche kennengelernt. Wenn man mit denen redet, dann erzählen die plötzlich, das Alevitentum hätte angeblich ihre Wurzeln im Yezidentum. Aus der Perspektive der ursprünglich christlichen Aleviten oder der ursprünglich yezidischen Aleviten haben sie Recht damit, daß sie auch die jeweiligen Traditionen pflegen und diese Wurzeln rudimentär, mal stärker mal weniger stark weiter ausleben. Aber all das hat nunmal nichts mit dem Alevitentum an sich nichts zu tun, das in seiner Geschichte, Wurzeln, Religionsführern bis hin Gebeten islamisch war und ist. Die absolute Mehrheit der Aleviten sehen sich als Moslems und zum Islam zugehörig aufgrund der alevitischen Tradition und Lehre. Ein kleiner Rest versucht sich lautstark mit haarsträubenden Behauptungen bemerkbar zu machen, was sie damit bezwecken wollen, ist ihr Geheimnis. Jedenfalls haben sie es geschafft, selbst die Aleviten untereinander zu spalten. Das war früher nicht so. Jetzt gibt es mehr als vier Fraktionen, die sich konträr gegenüber stehen. Die absolute Mehrheit sieht sich weiter als Moslems und Teil des Islams. Weitere kleine Gruppen sehen sich mehr christlich, die anderen mehr yezidisch, dann gibt es noch eine kizilbaschgruppe, die sehen sich sogar als atheistisch. Dieser ganze Streit und Zwietracht ausgehend von einer kleinen spalterischen Gruppe würde überflüssig sein, würden sie sich wenigstens etwas mit der alevitischen Religion mehr beschäftigen und sich Wissen verschaffen. Und wenn die das nicht möchten, sollen sie zu ihren eigentlichen Wurzeln zurückkehren. Das wäre das beste für alle Beteiligten.

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    3. Wer spaltet hier? Sie sind doch derjenige, der dauernd, von Aleviten mit "diesem" Hintergrund oder Aleviten mit "jenem" Hintergrund redet. Sie sind kein Alevite. Wären Sie einer, würden Sie nicht andauernd zwischen Aleviten mit verschiedenen Ansichten unterscheiden und abgrenzen. Aus Ihren Worten hört man zudem latente Christenfeindlichkeit. Auch etwas, was zu Aleviten nicht passt. Also hören Sie auf, den Aleviten zu spielen und bekennen Sie sich zu dem was Sie offensichtlich sind: Ein Sunnite!

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    4. Wer die Spalter sind, liegt doch ganz klar auf der Hand, jedenfalls nicht wir Aleviten, sondern Personen, die politische Spiele damit spielen und das hinter unserem Rücken. Ich sagte nicht ohne Grund, früher gab es das nicht!
      Leider kannst Du kein Türkisch, hier aus dem alevitischen TV von einem alevitischen Dede (alevitischer Geistlicher):
      http://www.youtube.com/watch?v=g5HLJoe_c7A

      Da wird genau auf das Problem eingegangen.

      Hier wird es auch erklärt.

      Ich fasse es kurz zusammen. Wer ein Atheist ist, wer nicht an Allah glaubt, wen nicht an den Koran glaubt und keinen Koran liest, wer nicht auf dem Pfad von Hz. Mohammed und Hz. Ali geht, wer behauptet, das Alevitentum habe nichts mit dem Islam zu tun, der ist laut Alevitentum kein Alevite.

      Wenn jemand weniger Gläubig ist, ist das nicht das Problem. Aber zu behaupten, das Alevitentum wäre mehr christlich, sich ein Kreuz neben dem Zülfikar (Alevitenhalskette und Symbol) hängen oder behaupten, Aleviten seien Yezidisch oder wie es andere tun, Alevitentum wäre Atheistisch, was ist das bitteschön. Das sind marginale Gruppen, die sich von den Aleviten bereits spalten und von sich aus gespaltet haben. Es kann ja sein, daß welche Identitätsprobleme haben und auch nicht vollständig von ihrer angenommenen Alevitenidentität ablassen möchten. Das ist ja nicht das Problem. Das Problem ist, daß sich dann welche von diesen hinstellen und das Alevitentum in der Öffentlichkeit verzerrt und falsch darstellen! Wir müssen uns dann ständig rechtfertigen und korrigieren bei Behauptungen, die von anderen ohne Wissen und ohne nachzudenken in die Welt gesetzt werden.

      Was würden Sie sagen, wenn jemand daherkommt und sagt mal angenommen, das Christentum wäre eigentlich eine islamische Religion. Da würden Sie auch mit dem Kopf schütteln und wenn es Leute gibt, die so etwas auch noch ernst nehmen, würden Sie sich genauso darüber aufregen.

      Mit so einer Situation haben wir es zu tun.

      Aber diese Diskussionen haben wir schon längst mit den Betreffenden geführt und deswegen auch entschlossen getrennte Wege zu gehen. Bei den einen herrscht Einsicht, bei anderen nicht. Die wiederum haben eher politische Absichten, das absolut garnichts mit dem Alevitentum zu tun hat. Alevitentum ist keine Partei oder Politik und deswegen haben wir es schon immer abgelehnt, daß damit Mißbrauch und Agitation betrieben wird. Die Betreffenden wissen schon Bescheid, schon aufgrund früheren Diskussionen dazu. Ich will deswegen nicht alles nochmal wiederholen.

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  11. soweit ich weiss, ist das Alevitentum eine Minderheit, die ueber die Jahrhunderte ueberlebt hat, da sie sich als solche nicht zu erkennen gegeben hat. Wissen wurde von einem Aeltesten an die Juengeren weitergegeben. Versammlungen konnten an einem beliebig ausgesuchten Ort ausgeuebt werden, wodurch sie nicht oeffentlich angegriffen werden konnten. Viele Minderheiten, wie Armenier - Christen und Kurden sind dem Alevitentum beigetreten, da er eine Alternative zu ihrer verfolgten Kultur war, die Sicherheit vor Verfolgung bot, ohne dem Islam beizutreten.
    Darin liegt der Grund der Vielfaeltigkeit der Aleviten. Einer der wichtigsten Gebote der Aleviten ist, Menschen weder wegen Ihrer Religion, noch Herkunft zu beurteilen und Hass auszuschliessen. Vielfaeltigkeit, Toleranz und ein neutraler Ton sind noetig, damit Menschen in Frieden zusammenleben und demokratisch kommunizieren koennen.
    Es gibt sicherlich viele Beispiele, die zeigen, dass Aleviten auch Fehler machen. Menschen machen Fehler. Darum geht es hier auch nicht. Sunniten sind gute Menschen, wie auch Aleviten, wie auch Juden. Die Tuerkei war mehrheitlich sunnitisch seit ihrer Gruendung. Sekulaere Sunniten wie auch Aleviten und Menschen in der Tuerkei im Allgemeinen haben Angst. Angst, weil die Religion nun anders als vorher in den Vordergrund zu treten scheint und eines jeden Menschen Freiheit einzuschraenken scheint. Angst, dass es in 20-30 Jahren wie im Iran sein wird. Wenn Abtreibung auch nach Vergewaltigung, verboten ist; wenn die Konstitution vom Praesidenten geaendert werden kann; wenn ich oder meine Amerikanischen Freunde in Istanbul auf der Strasse als "Feinde" bezeichnet werden von kopftuchtragenden Frauen, nur weil wir Englisch sprechen; Wenn eine sehr verhuellte Frau mir auf der Istanbul Faehre nicht Platz macht, da meine Amerikanischen Freunde doch erstmal Tuerkisch lernen sollten, wenn Religion in der Schule immer mehr eingebunden wird; wenn jemand der religioes ist, den Menschen der anders ist, in seiner Freiheit bedroht; wenn Hass entsteht - dann gibt es ernsthafte Gruende zu Fragen, ist die Tuerkei immer noch so sekulaer wie sie von Beginn an war? Es mag im Moment noch sehr schoen sein und ok sein, wenn das Alkoholtrinken auf einigen Strassen Beyoglu's verboten wird, aber was sind die naechsten Schritte in den naechsten 10, 20 oder 30 Jahren? bleibt es dabei? ist die jetzige Regierung genuegsam, und wenn sie es nicht ist, was kommt danach? Die Zukunft macht mir mehr Sorgen als die Gegenwart.

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