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Samstag, 21. Juli 2012

Ärzte machen Mobil: Dem Vorhaut-Mord keine Chance!

Die Diskussion um die Zirkumzision bekommt in Deutschland immer bizarrere Züge. Jetzt rufen  "Ärzte und Juristen"  in einer öffentlichen Erklärung die Bundesregierung auf, der "Gewalt" ein Ende zu setzen. Ein Blick auf die Unterzeichner ergibt, dass sich unter ihnen kaum ein Jurist befindet, bis auf zwei B-Movie "wissenschaftliche Mitarbeiter" aus Rostock, die sich entweder wichtig machen oder ihren Namen auch mal irgendwo lesen wollen.
Schon peinlich!
Die Juristen scheinen berechtigterweise diesem Aufruf fernzubleiben, da sie es für das halten, was es ist, Schwachsinn.

Macht euch selbst ein Bild: 

"Es herrscht eine bemerkenswerte Verleugnungshaltung und Empathieverweigerung gegenüber den kleinen Jungen, denen durch die genitale Beschneidung erhebliches Leid zugefügt wird. Dieses Leid ist mittlerweile in empirischen Studien ausreichend belegt. Mit religiösen Traditionen oder dem Recht auf Religionsausübung lässt sich dies nicht widerspruchsfrei begründen, zumal die Entwicklung der Kinderrechte in den letzten 300 Jahren in diesem Bereich nicht nur exklusiv den Mädchen zu Gute kommen kann. Denn das wäre mit dem Gleichheitsgrundsatz kaum zu vereinbaren."

Offener Brief zur Beschneidung „Religionsfreiheit kann kein Freibrief für Gewalt sein“


Freitag, 20. Juli 2012

Der arme Penis - ein Kommentar von Eser Polat


Aus gegebenem Anlass, mein Kommentar zu einer Facebook Diskussion zur Beschneidung:

Liebe Freunde,

wenn wir schon von Religionsfreiheit, Grundrechten, Grundwerten und der Abwägung der selben reden:

Als mit 7 Jahren (!) beschnittener Alevite stört mich mein verstümmelter, zwangsamputierter Krüppelpenis nicht!

Auch meine arme, traumatisierte, 34 jährige Kinderseele betrachte ich nicht als ein Thema, bei dem halb Deutschland so tun sollte, als ob es um das Seelenheil des Abendlandes geht. Schließlich verdient mein Psychiater eine goldene Nase mit mir.

Ich möchte in dieser Diskussion mal Ärzte, Psychiater und beschnittene Männer hören. Wo sind diese Stimmen?

Ich finde es außerordentlich perfide und geheuchelt, wenn diejenigen, die sich zu humanistischen Kinderfreunden aufspielen, jeden Tag Essensreste in den Müll schmeißen, Ihre Toilette mit Trinkwasser fluten, Ihre Alltagsgegenstände aus Rohstoffen produzieren lassen, die in den ärmsten Ländern der Welt abgebaut werden, während jeden Tag in diesen Ländern kleine Kinder u.a. wegen diesem Verhalten elendig VERRECKEN müssen!

Nicht vergessen möchte ich, dass wegen UNSEREM CO² Ausstoß, Inselstaaten im Pazifik zunehmend im Meer versinken. Aber den „Kinderfreunden“ in Deutschland scheint es egal zu sein, wenn kleine Kinder auf Tuvalu oder den Seychellen traumatisiert sind, weil WIR ihnen die Heimat rauben und vernichten.

Und um mich endgültig dem Vorwurf auszusetzen, dass ich Äpfel mit Birnen vergleichen würde, stelle ich die Kinderfreundlichkeit von deutschen Waffenlieferungen in Grundwertekompatible, deutsche Partnerstaaten wie Saudi-Arabien, Katar oder die Türkei zur Diskussion.

Die kleinen schiitischen Kinder in Bahrain, deren Väter bei Freiheitsdemonstrationen von katarischen Soldaten mit DEUTSCHEN Waffen erschossen wurden oder die kurdischen Kinder in der Türkei, deren Dörfer mit DEUTSCHEN Panzern leergeräumt wurden, sind garantiert NICHT traumatisiert und bedanken sich ganz sicher artig bei uns für unsere KINDERFREUNDLICHKEIT.

Wir könnten ja all diese von und durch Deutschland geschädigten Kinder bei uns aufnehmen. Dann wären sie auch vor Zwangsbeschneidungen und religiöser Indoktrination geschützt!

Fragt sich dann nur, was wir mit der Taufe machen? Schließlich hat Luther im „Kleinen Katechismus“ (1529) zur Taufe gesagt: „Es bedeutet, dass der alte Adam in uns durch tägliche Reue und Buße soll ersäuft werden und sterben mit allen Sünden und bösen Lüsten.“

Weil ein kleines Kind ja so voll ist mit Sünden und vor allem „bösen Lüsten“!

Unsere lieben „Kinderfreunde“, die stets die religiöse Selbstbestimmung hochhalten, können den Kindern später im „religionsmündigen Alter“ mal erklären, dass sie als Kind „ersäuft“ wurden, weil sie voller Sünde und bösen Lüsten waren. GOTT hat es ja so gewollt.

Zu alledem höre ich in dieser Diskussion nichts! Das finde ich verlogen!

Es ist mehr als berechtigt, sinnvoll und richtig, dass uns dieses Thema in Deutschland beschäftigt. Lasst uns bitte weiterdiskutieren.

Aber das Ausmaß, die Dimension und die Intensität, die dieses Thema in der Öffentlichkeit beansprucht, steht in keinem Verhältnis mehr zu den anderen, wie ich finde ebenfalls sehr wichtigen Themen. Was mich stört, ist der Wahrheitsanspruch, mit dem viele in dieser Diskussion an das Thema herangehen.

Wer sich für dieses kleine Stückchen Haut derart interessiert und einsetzt, von dem erwarte ich auch Antworten auf die oben aufgeworfenen Fragen!

Es grüßen euch

Eser Polat und sein armer Penis

Zum Autor:  
Eser Polat ist Jurist und Mitglied im bayerischen FDP Landesvorstand.