Sonntag, 19. April 2015

Gülen erkennt Genozid an den Armeniern an?


Die Information ist sensationell. Fethullah Gülen soll als junger Prediger im Jahr 1965 den armenischen Patriarchen von Istanbul, Erzbischof Schnork Kalustyan, angeschrieben und den großen Völkermord (!), der dem armenischen Volk, den Kinder des großen Propheten Jesus Christus, durch ignorante Muslime verübt wurde, verurteilt haben. In dem von Gülen unterzeichneten Schreiben heißt es wörtlich: 

"Ich komme nicht umhin, den großen Völkermord an den Armeniern zu verurteilen und zu verfluchen. Ich lese derzeit mit höchster Sensibilität, wie viele ehrenwerte und großartige Menschen ermordet und massakriert wurden und gedenke ihrer mit großem Respekt. Ich verurteile die Ermordung der Kinder unseres großen Propheten Jesus Christus, dem armenischen Volk, durch diese sogenannten Muslime."

Es stellt sich die Frage, welche Haltung Fethullah Gülen und seine Bewegung derzeit einnehmen, die des Revisionismus oder der Wahrheit. 

“…I can not continue without condemning the genocide perpetrated against Armenians in 1915. I commemorate the victims of Genocide with a deep respect," said Gülen in the letter written to Archbishop Shinork Kalusyan, the former Armenian Patriarch of Istanbul on May 6,1965.“I condemn with indignation and abhorrence the massacre of children of your great Prophet Jesus Christ by some ignorant people who think they are Muslim." 
Muslim cleric Gülen recognizes Armenian genocide: letter

"Fethullah Gülen'in 1965'te Ermeni Patriği'ne yazdığı mektup: Gülen kendi imzasını taşıyan mektupta aynen şöyle diyor: Çocukluk ve meslek hayatımda tanıdığım birçok Ermeni aile ve şahsiyet vardır. 1915 yılında Ermenilere yapılan büyük soykırımını lanetle yadetmekten geçemeyeceğim. Öldürülen katledilen insanların içerisinde ne kadar büyük insanların bulunduğunu derin bir hassasiyetle okuyor onları saygıyla anıyorum. Büyük Peygamberiniz'in Hz. İsa Aleyhisselam'ın çocuklarının Müslüman geçinen cahil insanlar tarafından katledilmesini esefle kınıyorum."
"Büyük soykırım"
http://www.yenisafak.com.tr/gundem/buyuk-soykirim-2117111

"The Gülen Movement has made donations to Robert Menendez, a U.S. Senator from the state of New Jersey known for spearheading efforts for the United States' official recognition of the so-called Armenian genocide."
Gülen linked to Armenian Genocide bill
http://www.dailysabah.com/nation/2014/04/14/gulen-linked-to-armenian-genocide-bill

Donnerstag, 16. April 2015

Wissenschaft im Einsatz: 150 deutsche Wissenschaftler fordern Anerkennung des Genozids an Armeniern

Prof. Dr. Mihran Dabag, Direktor des Instituts für Diaspora- und Genozidforschung RUB

Offener Brief an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags

Anerkennung jetzt - Keine Relativierung des Genozids an den Armeniern


Wir, die Unterzeichnenden, appellieren an die Abgeordneten des Deutschen Bundestags:Vergeben Sie die historische Chance nicht, den Opfern, den Überlebenden und den Nachfahren des Völkermords an den Armeniern Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Bereits 100 Jahre liegt der Beginn des Völkermords an der armenischen Bevölkerung des Osmanischen Reichs zurück: Was mit der Vertreibung der armenischen Intellektuellen und Notabeln aus Konstantinopel am 24. April 1915 begann, endete im massenhaften Sterben von schätzungsweise 1,5 Millionen armenischen Männern, Frauen und Kindern in den Tälern der nordsyrischen Wüsten. Die planvolle Vernichtung der Armenier, die auch die Verfolgung und Ermordung der syro-aramäischen Christen einschloss, hatte viele Gesichter: Hunger, Krankheit, Erschöpfung, Vergewaltigungen und Plünderungen während der Todesdeportationen kennzeichneten die Jahre 1915/16 ebenso wie Folterungen und Massaker unsagbarer Grausamkeit und Gewalt.

Auch 100 Jahre nach dem Genozid scheint es, als ob der Deutsche Bundestag sich nicht dazu durchringen wird, die Vernichtung der Armenier beim Namen zu nennen. Dies wäre ein Zugeständnis an die offizielle Position der türkischen Regierung. Es wäre eine Einwilligung in die Politik der Leugnung. Es wäre zudem eine Absage an die Chance, nationalistische Weltanschauungen und Geschichtsentwürfe, die auch in der deutschen Migrationsgesellschaft keimen, zu überwinden. Es wäre nicht zuletzt eine aktive Fortsetzung der Verweigerung, es den Nachkommen der Überlebenden zu ermöglichen, eine Geschichte, Identität, Tradition und Überlieferung in Deutschland zu leben.

Das Erinnern an die Opfer des Völkermords an den Armeniern bedarf in besonderer Weise der öffentlichen Anerkennung. Diese Anerkennung muss auch die eindeutige Benennung des Geschehens einschließen.

Der 100. Gedenktag an den Völkermord an der armenischen Bevölkerung des Osmanischen Reichs ist ein angemessener Anlass für den Deutschen Bundestag, sich vor den Opfern zu verneigen und bei den Nachfahren der Überlebenden um Entschuldigung zu bitten: für die unerträgliche Ignoranz, mit der man die Ereignisse geschehen ließ, von denen die deutsche Reichsregierung als Bündnispartner des Osmanischen Reichs durch ihre Diplomaten und Offiziere zu jedem Zeitpunkt vollständig unterrichtet gewesen ist. Zahlreiche nationale Parlamente, darunter das französische, schwedische und jüngst das niederländische, haben ebenso wie das Europäische Parlament in Resolutionen und Beschlussfassungen den Genozid an den Armeniern klar benannt und damit gezeigt, dass eine moralische Haltung nicht Opfer außenpolitischer Opportunitäten werden muss.

Auch dem Deutschen Bundestag stünde eine solche Haltung gut zu Gesicht. Die Benennung der jungtürkischen Politik als systematische, intentional geplante und durchgeführte, somit also genozidale Vernichtungspolitik ist der einzige Weg, der Erinnerung und Forschung, dem Gedenken und dem Weiterleben einen Raum zu bereiten.

Wo Leugnung seit 100 Jahren eine politische Strategie ist, ist Anerkennung keine rhetorische Aufgabe. Anerkennung ist der Entschluss zur unzweideutigen gesellschaftspolitischen Haltung, die Geschichte und Erinnerung der in Europa lebenden Nachkommen der Überlebenden zu schützen. Denn das „Nein“ zur Anerkennung verweigert nicht nur die Akzeptanz einer geschichtlichen Tatsache, sondern trägt aktiv zur Kontinuität einer Politik bei, die sich von der Diskriminierung und Repression von Minderheiten nicht distanziert.

Die Unterzeichnenden rufen die Abgeordneten des Deutschen Bundestags dazu auf, der Geschichtsklitterung ein Ende zu bereiten, mit der Anerkennung der Vernichtung als Genozid den Opfern ihre Würde zurückzugeben und ihre Nachfahren von der unerträglichen Bürde der Nachweisführung zu entlasten.



Unterzeichner:

Prof. Dr. Dr. Heinz Abels (Hagen)
Dr. Hülya Adak (Istanbul)
Prof. Dr. Elmar Altvater (Berlin)
Prof. Dr. Manfred Aschke, (Gießen/Potsdam)
Dr. Bilgin Ayata (Berlin)
Prof. Dr. Aleida Assmann (Konstanz)
Prof. Dr. Jan Assmann (Heidelberg/Konstanz)
Prof. Dr. Klaus J. Bade (Osnabrück)
Prof. Dr. Boris Barth (Konstanz)
Dr. Seyhan Bayraktar (Zürich)
Prof. Dr. Frank Becker (Duisburg-Essen)
Prof. Dr. Wolfgang Beilenhoff (Bochum/Peleschjans)
Dr. Tayfun Belgin (Hagen)
Dr. Nicolas Berg (Leipzig)
Dr. Alice von Bieberstein (Cambridge)
Prof. Dr. Natalie Binczek (Bochum)
Prof. Dr. Wilhelm Bleek (Bochum/Toronto)
Prof. Dr. Manuel Borutta (Bochum/Essen)
Prof. Dr. Peter Brandt (Hagen)
Prof. Dr. Christina von Braun (Berlin)
Dr. Medardus Brehl (Bochum)
Prof. Dr. Micha Brumlik (Frankfurt am Main/Berlin)
Prof. Dr. José Brunner (Tel Aviv)
PD Dr. Ralph Buchenhorst (Halle-Wittenberg)
Dr. Peter Carrier (Braunschweig)
Prof. Dr. Mihran Dabag (Bochum)
Prof. Dr. Iris Därmann (Berlin)
Prof. Dr. Dan Diner (Jerusalem/ Leipzig)
Prof. Dr. Jürgen Ebach (Bochum)
Prof. Dr. Andreas Eckert (Berlin)
Dr. Andreas Eckl (Bochum)
Prof. Dr. Wolfgang Eßbach (Freiburg)
PD Dr. Richard Faber (Berlin)
Friederike Faß (Schwerte)
Prof. Dr. Manfred Frank (Tübingen)
Prof. Dr. Norbert Frei (Jena)
Dr. Stefan Friedrich (Lüneburg)
Prof. Dr. Heidrun Friese (Chemnitz)
Prof. Dr. Hajo Funke (Berlin)
Dr. Detlef Garbe (Hamburg)
Prof. Dr. Hacik Raffi Gazer (Erlangen-Nürnberg)
Dr. Jan Gerchow (Frankfurt am Main)
Prof. Dr. Constantin Goschler (Bochum)
Prof. Dr. Ruth Großmaß (Berlin)
Dr. Kurt Gruenberg (Frankfurt am Main)
Dr. Christian Gudehus (Bochum)
Prof. Dr. Dieter Haller (Bochum)
Prof. Dr. Ludger Heidbrink (Kiel)
Prof. Dr. Drs. h.c. Armin Heinen (Aachen)
Prof. Dr. Hans-Joachim Heintze (Bochum)
Prof. Dr. Wilhelm Heitmeyer (Bielefeld)
Prof. Dr. Hans Günter Hockerts (München)
Prof. Dr. Stefan-Ludwig Hoffmann (Berkeley)
Prof. Dr. Lucian Hölscher (Bochum)
Prof. Dr. Axel Honneth (Frankfurt am Main)
Prof. Dr. Jochen Hörisch (Mannheim)
Dr. Rolf Hosfeld (Potsdam)
Prof. Dr. Dr. h.c. Bischof a.D. Wolfgang Huber (Berlin)
Prof. Dr. Jörg Hübner (Bad Boll)
Prof. Dr. Andreas Huyssen (New York)
Dr. Stefan Ihrig (Jerusalem)
Prof. Dr. Traugott Jähnichen (Bochum)
Prof. Dr. Oliver Janz (Berlin)
Prof. Dr. Nikolas Jaspert (Heidelberg)
Dr. Günther Jikeli (Paris)
Prof. Dr. Antje Kapust (Bochum)
Prof. Dr. Dr. Jan Ilhan Kizilhan (Villingen-Schwenningen)
Prof. Dr. Wolfgang Knöbl (Hamburg)
Prof. Dr. Waltraud Kokot (Hamburg)
Prof. Dr. Christopher Kopper (Bielefeld)
Prof. Dr. Yavuz Köse (Hamburg)
Pfarrer Friedrich Kramer (Wittenberg)
Prof. Dr. Johann Kreuzer (Oldenburg)
Prof. Dr. Gerd Krumeich (Düsseldorf/Freiburg i. Br.)
Prof. Dr. Joseph A. Kruse (Berlin)
Dr. Philipp Kuntz (Bochum)
Dr. Thorsten Latzel (Frankfurt am Main)
Prof. Dr. Stephan Laux (Trier)
Dr. Stephan Lehnstaedt (Warschau)
Prof. Dr. Fabian Lemmes (Bochum)
Prof. Dr. Jörn Leonhard (Freiburg i. Br.)
Prof. Dr. Martin Leutzsch (Paderborn)
Dr. Kerstin von Lingen (Heidelberg)
Prof. Dr. Otto Luchterhandt (Hamburg)
Prof. Dr. Christoph Marx (Duisburg-Essen)
Prof. Dr. Paul Mecheril (Oldenburg)
Prof. Dr. Norbert Mecklenburg (Köln)
Prof. Dr. Käte Meyer-Drawe (Bochum)
Prof. Dr. Andreas Nachama (Berlin)
Prof. Dr. Michael Naumann (Berlin)
Prof. Dr. Susan Neiman (Potsdam)
Prof.Dr. Christoph K. Neumann (München)
Prof. Dr. Johannes Niehoff-Panagiotidis (Berlin)
Prof. Dr. Lutz Niethammer (Jena)
Prof. Dr. Jürgen Osterhammel (Konstanz)
Prof. Dr. Anja Pistor-Hatam (Kiel)
Dr. Kristin Platt (Bochum)
Prof. Dr. Dieter Pohl (Klagenfurt)
Prof. Dr. Andrea Polaschegg (Berlin)
PD Dr. Alexandra Przyrembel (Essen)
Dr. Christin Pschichholz (Potsdam)
Dr. Dieter Rammler (Braunschweig)
Prof. Dr. Sina Rauschenbach (Potsdam)
Prof. Dr. Sven Reichardt (Konstanz)
Prof. Dr. Stefan Reichmuth (Bochum)
Dr. Miriam Rürup (Hamburg)
Prof. Dr. Jörn Rüsen (Essen)
Dr. Reyhan Şahin (Hamburg)
Dr. Gerhard Scharbert (Berlin)
Prof. Dr. Julius H. Schoeps (Potsdam)
Prof. Dr. Peter Schöttler (Berlin)
Christine Isabel Schröder M.A. (Bochum)
Prof. Dr. Stefanie Schüler-Springorum (Berlin)
Prof. Dr. Regina Schulte (Bochum)
Prof. Dr. Michael Schwartz (Berlin)
Prof. Dr. Wolfgang Seibel (Konstanz)
Prof. Dr. Ulrich Sieg (Marburg)
Prof. Dr. Sybille Steinbacher (Wien)
Prof. Dr. Bernd Stiegler (Konstanz)
Prof. Dr. Dres. h.c. Günter Stock (Berlin)
Prof. Dr. Jürgen Straub (Bochum)
Dr. Talin Suciyan (München)
PD Dr. Sefik Tagay (Duisburg-Essen)
Prof. Dr. Shabo Talay (Berlin)
Dr. habil. Hans Ulrich Treichel (Leipzig)
Prof. Dr. Stefan Troebst (Leipzig)
Prof. Dr. Bernhard Waldenfels (Bochum/München)
Prof. Dr. Bernd Weisbrod (Göttingen)
Prof. Dr. Dorothea Weltecke (Konstanz)
Prof. Dr. Kristin Westphal (Koblenz)
Lasse Wichert M.A. (Bochum)
Prof. Dr. Michael Wildt (Berlin)
Prof. Dr. Karin Wilhelm (Berlin)
Prof. Dr. Wolfgang Wippermann (Berlin)
Prof. Dr. Egbert Witte (Schwäbisch Gmünd)
Dr. Oliver von Wrochem (Hamburg)
Prof. Dr. Ioannis Zelepos (München)
Prof. Dr. Benjamin Ziemann (Sheffield)
Jun.-Prof. Dr. Martin Zillinger (Köln)
Prof. Dr. Jürgen Zimmerer (Hamburg)
Prof. Dr. Raimar Zons (Konstanz)
Prof. Dr. Moshe Zuckermann (Tel Aviv)
Prof. Dr. Meik Zülsdorf-Kersting (Osnabrück)


Montag, 13. April 2015

Pressekonferenz des ZAD in Berlin, 14.04., 11 Uhr



PRESSEKONFERENZ anlässlich des 100. Gedenktages an den Völkermord an den Armeniern Zeit: 14.04.2015 – 11.00 Uhr 
Ort: In der Vertretung des Landes Baden-Württemberg beim Bund, Tiergartenstraße 15, 10785 Berlin

Aus Anlass des 100. Gedenktages an den Völkermord an der armenischen, aramäischen und pontosgriechischen Bevölkerung des Osmanischen Reiches informiert der Zentralrat der Armenier in Deutschland auf der Pressekonferenz über die deutschland- und europaweit geplanten Veranstaltungen und Initiativen mit denen an das unermessliche Leid erinnert und der Opfer gedacht werden soll. 
Der Zentralrat der Armenier möchte dabei sowohl die derzeitige Position der deutschen Bundesregierung, als auch die Politik der türkischen Regierung in ihren historischen und aktuellen Kontexten beleuchten. Des Weiteren möchte er eine eigene Einschätzung zur Stellung der armenischen Erinnerung in Rahmen der deutschen Erinnerungspolitik formulieren, die den Gegebenheiten der multikulturellen und multiethnischen Verfasstheit der deutschen Gesellschaft Rechnung trägt.  Am 24.04.1915 ließ die Regierung des Osmanischen Reichs armenische Notabeln, Künstler und Intellektuelle in Konstantinopel verhaften und ermorden. Dieser Tag markiert den Anfang einer geplanten Politik der Vernichtung, an deren Ende bis zu 1,5 Millionen Armenier den Tod gefunden hatten. Die Folgen dieser radikalen Gewalterfahrung prägen bis heute die armenische Gemeinschaft. Sowohl die Republik Armenien, als auch die Armenier in der internationalen Diaspora erwarten den einhundertsten Gedenktag des Völkermordes mit Sorge und Spannung.  Denn auch einhundert Jahre nach dem Völkermord setzt die Republik Türkei unbeirrt ihre Politik der Leugnung des Genozids fort – dies trotz gegenteiliger Beweise und der daraus folgenden Einschätzung der internationalen historischen Forschung und trotz der Tatsache, dass bereits 1919 die Hauptverantwortlichen des jungtürkischen Regimes von einem osmanischen Gericht verurteilt wurden. Sowohl zahlreiche nationale Parlamente, als auch das europäische Parlament haben bereits in Beschlussfassungen den Völkermord an den Armeniern anerkannt, auch um dieser fortgesetzten Leugnungspolitik ein politisches Signal entgegenzusetzen. 
Mit großem Befremden beobachtet die armenische Gemeinschaft in Deutschland die aktuellen Entwicklungen bezüglich der Beschlussfassung des Deutschen Bundestages, der sich am 24. April in einer Plenardebatte der Thematik widmen wird. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen wurde die von den Abgeordneten Bergner (CDU) und Nietan (SPD) vorbereitete Resolution verwässert und die Anerkennung des Völkermordes herausgestrichen. Dieses Zugeständnis an die offizielle Position der türkischen Regierung, das letztlich eine Einwilligung in die Strategie der Leugnung bedeutet, ist des Gedenkens der Opfer unwürdig und wird der historischen Verantwortung Deutschlands, das als militärischer Bündnispartner des osmanischen Reiches während des ersten Weltkrieges eng mit der Geschichte des Völkermordes verwoben ist, in keiner Weise gerecht. 
An der Pressekonferenz wird ebenfalls der Bundesverband der Aramäer in Deutschland teilnehmen. 

Vorstand des Zentralrats der Armenier in Deutschland e.V. 


Samstag, 11. April 2015

Podiumsdiskussion im Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln am 17.04.


"Erst die Armenier, dann Ihr!"

In Deutschland werden türkische Rechtsextremisten von SPD und CDU ebenfalls seit Jahrzehnten umworben und eingebunden, während Kritiker als "Feinde der Türkei" von der deutschen Politik systematisch ignoriert und ausgegrenzt werden. 

"Die Knechtschaft wird enden, dann seid ihr dran." Dieser Satz, Teil einer Veranstaltungsankündigung, die der türkische Verein Avrasya Linz auf Facebook postete, sorgt für neue Aufregung über den Verein. Experten sehen Avrasya als Vorfeldorganisation der rechtsextremen, antisemitischen und ultranationalistischen Grauen Wölfe. Der Satz ist - ausgerechnet in Zeiten, da man des Völkermords an den Armeniern durch die Türkei vor 100 Jahren gedenkt - an Armenier gerichtet.

In der Türkei werde der Genozid an den Armeniern vor 100 Jahren von den Grauen Wölfen geradezu gefeiert", so Rammerstorfer.
Zu den Postings des Linzer Vereins und eines seiner Funktionäre meint er: "Sie fühlen sich offenbar sehr sicher." Das mag auch daran liegen, dass ein Mann weiterhin nicht daran denkt, sich von Avrasya zu distanzieren: der Linzer Bürgermeister Klaus Luger (SPÖ). Er wurde wiederholt dafür kritisiert, mit dem Verein freundschaftlich zu verkehren."

"Avrasya" an Armenier: "Dann seid ihr dran"

"Verein Avrasya hetzt und droht im Internet gegen Armenier"

Mihran Dabag und Kristin Platt: Verlust und Vermächtnis

"100 Jahre nach dem Genozid an den Armeniern (1915/16) kommen in diesem Buch Überlebende zu Wort. Sie berichten von den Deportationen, von Todesmärschen, Hunger, unvorstellbarer Gewalt und bitteren Verlusten. In ihren biographischen Rückblicken suchen sie eine Einordnung für eine Erfahrung, die keine Worte kennt. 
Die Lebensberichte wurden über einen längeren Zeitraum im Rahmen eines Oral History-Projekts aufgezeichnet und werden jetzt, nach dem Tod der Gesprächspartner, zum ersten Mal als Buch publiziert.
Sie bezeugen den Verlust von Kindheit und Familie, von Hoffnungen und Zukunft. Doch gewähren sie auch einen Einblick in die Schwierigkeiten, einen Alltag zurückzugewinnen und ein Leben als Flüchtling zu bewältigen. 
Bestimmt werden die lebensgeschichtlichen Erzählungen dieser letzten Zeitzeugen vom »Gehen und Gehen« während der Deportation, das über von Leichen gesäumte Wege führte, das Hunger war und brutalste Gewalt."

Donnerstag, 2. April 2015

Fraktionsspitzen von CDU/CSU und SPD leugnen Genozid an Armeniern

P R E S S E E R K L Ä R U N G 

Köln, 02.04.2015

Fraktionsspitzen von CDU/CSU und SPD 

leugnen Genozid an Armeniern

Volker Kauder und Thomas Oppermann von Ankara eingeschüchtert

Die Bundestagsfraktionen bereiten für den 24.April eine neue Bundestagsresolution anlässlich des 100.Jahrestages des Genozids an den Armeniern vor. Während Bündnis 90/Die Grünen und die LINKE den Genozid explizit in ihren Anträgen benennen, strichen die Fraktionsspitzen von CDU/CSU und SPD den Genozid-Begriff aus ihren ursprünglichen Antragsentwürfen und ersetzten diesen durch „Vertreibung und Massakern“. 

„Volker Kauder stellt sich in der Öffentlichkeit gerne als Anwalt verfolgter Christen dar, wähnt sich jedoch im puren Revisionismus, wenn es um die Anerkennung des Genozids an den christlichen Armeniern geht.“, sagt Dr. Nazareth Aghuegian, Vorstandsvorsitzender des ZAD. „Es ist unerträglich anzusehen wie ein Volker Kauder (CDU) und ein Thomas Oppermann (SPD) die revisionistische Politik Ankaras adaptieren.“ 

Das den Worten Volker Kauders zu den verfolgten Christen keine Taten durch die Anerkennung des Genozids folgen, wird in den christlichen Gemeinden überwiegend als Heuchelei und Rückgratslosigkeit wahrgenommen. 

Volker Kauder und Thomas Oppermann sind als Fraktionsvorsitzende für den abschließenden Inhalt der Anträge ihrer Fraktionen zuständig und veränderten die ursprünglichen Antragsentwürfe zugunsten der Leugnungspolitik Ankaras. 

Die Änderungen erfolgten auch auf Wunsch des Auswärtigen Amtes. 

„Die Bundestagsabgeordneten sind allein ihrem Gewissen unterworfen und tragen als freie Mandatsträger eine Verantwortung. Sie sollten sich nicht der Direktive eines Außenminister Steinmeiers unterwerfen, der sich hier zum Pressesprecher der AKP-Regierung aufschwingt und die Leugnung des armenischen Genozids durch den deutschen Bundestag fordert“, sagt Rechtsanwältin Madlen Vartian, stv. Vorsitzende des ZAD

Die Parlamentarier von CDU/CSU und SPD sind aufgefordert allein ihrem Gewissen zu folgen und sollten daher gegen die Anträge ihrer Fraktionen stimmen, sofern diese sich nicht eindeutig zum Völkermord an den Armeniern bekennen.

„Falsche Rücksichtnahmen stärken lediglich den seit Jahren anwachsenden türkischen Rechtsradikalismus in Deutschland“, erklärt Rechtsanwältin Madlen Vartian, stv. Vorsitzende des ZAD. 


Vorstand des Zentralrats der Armenier in Deutschland e.V.


Pressekontakt:


Madlen Vartian

stv. Vorsitzende des ZAD


Kontakt: 0221 – 16 86 3001

Mobil: 0178 – 81 81 002

Email: vorstand@zentralrat.org


Samstag, 14. März 2015

Europäische Parlament fordert Mitgliedsstaaten zur Anerkennung des Genozids an den Armeniern auf


Das Europäische Parlament hat in seinem kürzlich veröffentlichten Menschenrechts-Report die EU-Mitgliedsstaaten aufgefordert  den türkischen Genozid an den Armeniern anlässlich des 100.Gedenkjahres anzuerkennen und zum weiteren Anerkennungsprozess beizutragen.

Diese Entscheidung stellt einen Meilenstein in der europäischen Politik dar, da das Europäische Parlament  nicht nur einen Konsens im Hinblick auf den armenischen Genozids definiert, sondern auch zur aktiven Unterstützung des Anerkennungsprozesses in und durch die Mitgliedsstaaten auffordert.

Unter Punkt 77. heißt es:
...fordert alle Mitgliedstaaten zum 100. Jahrestag des armenischen Völkermords auf, diesen juristisch anzuerkennen, und legt den Mitgliedstaaten und den EU-Organen nahe, mehr zur Anerkennung des armenischen Völkermords beizutragen


In Deutschland blieb dieser Beschluss unkommentiert. Die Bundesregierung äußert sich zur Frage der Anerkennung des armenischen Genozids in revisionistischen Formulierungen und weigert sich beharrlich die Vernichtung der Armenier anzuerkennen. 


The EP adopted the Annual Report on Human Rights and Democracy in the World 2013 and the EU policy on the matter on March 12. Article 77 of the adopted report “calls, ahead of the 100th anniversary of the Armenian Genocide, on all the member states to legally acknowledge it, and encourages the member states and the EU institutions to contribute further to its recognition.”
European Parliament Urges EU Member States to Recognize Genocide
http://armenianweekly.com/2015/03/12/ep-armenian-genocide/#prettyPhoto

Europäische Christdemokraten erkennen Genozid an den Armeniern an

Die Europäischen Christdemokraten (EVP) haben am 03.03.2015 als stärkste politische Kraft des Europäischen Parlaments den Genozid an den Armeniern anerkannt und die Türkei aufgefordert sich ihrer Geschichte zu stellen.
Diese folgenreiche Beschlussfassung fand in den deutschen Medien kaum Beachtung. 

Bemerkenswert ist, dass die CDU Deutschland, als größte vertretende Partei in der EVP, sich bisher zur Resolution bedeckt hält und selbst eine kurze Meldung über die Anerkennung der Armenier-Resolution durch die EVP unterlässt. 

Möglicherweise um die revisionistische Haltung der Bundeskanzlerin Merkel zu stützen? 

“This support from Europe’s ruling political force is of key importance for the Republic of Armenia and the Armenian people. The resolution’s title suggests that the largest European political family, the EPP, in its policy is also guided by the value system which is the basis of the ideology of Armenian Genocide recognition: recognizing and condemning the Armenian Genocide, paying tribute to the tragedy’s victims, as well as calling on Turkey to confront its past and build up future with its neighbors, overcoming the past,” he said.
EPP Recognizes Armenian Genocide, Calls on Turkey to Face Historyhttp://armenianweekly.com/2015/03/03/epp-genocide-resolution/



Sonntag, 18. Januar 2015

Mazlum Dogan: Die unantastbare Religion

In Paris stürmten zwei vermummte und schwer bewaffnete Männer die Redaktion des französischen Satiremagazins "Charlie Hebdo" und ermordeten mit dem Schlachtruf „Allah’u akbar!“ (dt.: „Allah ist groß!“) zwölf Menschen. Es muss jedoch nicht lange nach den
Motiven für die Tat gesucht werden, denn Charlie Hebdo hat als Satiremagazin auch den Islam und seinen Propheten auf’s Korn genommen.

Soweit so schlimm, denn radikale Muslime würden diese Form der Satire am liebsten stets mit dem Tode bestrafen. So ist es dann auch in Paris gekommen. Zehn Karikaturisten und zwei Polizisten verloren ihr Leben, weil zwei fanatische Islamisten es nicht mehr hinnehmen wollten, dass Menschen Karikaturen zeichnen und Witze verfassen. Der Islam ist unantastbar.

Mit den Werten einer aufgeklärten Gesellschaft hat das freilich nichts zu tun. Der Islam überwiegt jede Presse- und Meinungsfreiheit. Nach ihrem Verständnis ist der Islam absolut – das Nonplusultra. Diese hässliche Fratze der Islamisten zeigt sich derzeit wohl am auffälligsten im Irak und in Syrien, wo der sog. „Islamische Staat“ wütet und ganze religiöse Minderheiten vernichten möchte. Oder auch in Pakistan, wo radikale Dschihadisten der Taliban vor kurzem eine Schule stürmten und Dutzende Kinder ermordet
en. Abtrünnige werden hingerichtet. Wer nicht konvertiert, wird enthauptet. Und es ist dieselbe Fratze, die sich in Paris gezeigt hat.

Als der deutsch-ägyptische Islamwissenschaftler Hamed Abdel-Samad letztes Jahr das Buch „Der islamische Faschismus“ verfasste und veröffentlichte, wurde er sogleich mit einer Mord-„Fatwa“ belegt. Eine Fatwa ist nichts anderes als ein Urteil einer islamischen Autorität. Eine Art Parallel-Justiz. Derartige Urteile sind nicht zu unterschätzen, denn oftmals werden sie auch in die Tat umgesetzt. Dass jemand wie Abdel-Samad zur Zielscheibe radikaler Muslime wurde und auch generell in der muslimischen Welt kein gern gesehener Mensch ist, erklärt sich durch sein Wirken und Tun: Er erklärt die Zusammenhänge zwischen dem Islam (seit seiner Entstehung) und dem Islamismus. Er verleugnet nicht die Zusammenhänge, wie die großen islamischen Verbände es allzu gerne tun, sondern setzt sich für die Anwendung der Ideen der Aufklärung beim Islam ein.

Und genau das ist der Stichpunkt: Aufklärung.

Jede Form der (z.B. religionskritischen) Aufklärung wurde bisher in der islamischen Welt im Keime erstickt. So erinnert man sich noch an den türkischen Religionskritiker und Bürgerrechtler Turan Dursun, der einst ein angesehener Imam und Mufti war und später den Islam und seinen Propheten öffentlich kritisierte. Dursun wurde später von radikalen Islamisten erschossen. Ein deutlich prägenderes Ereignis war der Brandanschlag im anatolischen Sivas, wo rund 15.000 Islamisten am 14. Juli 1993 – ebenfalls mit dem Schlachtruf „Allah’u akbar!“ – Jagd auf Aleviten machten und 35 Menschen ihr Leben verloren. Einer der Gründe für diese Tat war, dass der alevitische Intellektuelle Aziz Nesin das Buch „Satanische Verse“ von Salman Rushdie ins Türkische übersetzen wollte. Radikale Muslime sind der Auffassung, dass Rushdie in seinem Buch den islamischen Propheten verunglimpfe. Kurzerhand wurden 35 Menschenleben ausgelöscht.

Auf die Aufklärung wird mit bestialischer Gewalt geantwortet. Es gibt keine Kompromisse, wenn die Religion als „unantastbar“ erklärt wird – weder in Sivas noch in Paris. Der Islam sei noch nicht „durch das Feuer der Aufklärung gegangen“, schrieb der Orientalist Navid Kermani im Jahre 2003. Zahlreiche blutige Attentate, Massenmorde und Gräueltaten später, sollte Kermani immer und immer wieder Recht behalten, denn was einige im Namen des Islams praktizieren, hat mit Humanismus und den Ideen der Aufklärung wenig gemein.


Mazlum Dogan ist Bundesvorsitzender des Bundes der Alevitischen Jugendlichen in Deutschland e.V. (BDAJ). Er studiert Jura an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.


Finanzierte Aserbaidschan antisemitische Demonstrationen in Europa?

Als Reaktion auf die ständige Kritik Europas an den eklatanten Menschenrechtsverletzungen in Aserbaidschan gründete die Diktatur im Jahre 2013 die European Information Human Rights Center (EIHRC) mit Sitz in Straßburg. Die EIHRC sollte Menschenrechtsverstöße in Europa dokumentieren und dem Regime in Baku regelmäßig Bericht erstatten, Der Diktator Ilham Aliyev ist es Leid, dass er in Europa als gnadenloser Diktator gilt, der sein Volk unterdrückt, Andersdenkende verfolgt und Armenier auf den Tod hasst. Den Europäern möchte er daher das kritische Mundwerk stopfen und in Gesprächen europäische Menschenrechtsverstöße entgegenhalten. Zur Politur seines angekratzten Images missbraucht Diktator Aliyev gerne die jüdische Gemeinde, die auf Anordnung von oben erklären muss, dass Aserbaidschan ein Land gänzlich frei von Antisemitismus sei, die Diktatur ein Segen für die Aserbaidschaner sei, Diktator Aliyev ein Humanist und wahrer Judenfreund sei und Israel aus diesem Grunde - und noch Gründen, die im Öl und Waffenverkäufen iHv. 1,6 Mrd. Dollar liegen - enge Beziehungen mit der Diktatur pflege. Die Armenier hingegen seien Barbaren, Erzfeinde der Juden und Türken, schlimme Antisemiten und müssten daher vollständig ausgelöscht werden. 

Als Präsident der EIHRC wurde daher auch der deutsch-russische Jude Garry Mourei aus Köln eingesetzt. Für seine Observationstätigkeiten für europäische Menschenrechte erhielt er ein Startbudget in Höhe von 100.000 €. Die Zahlung erfolgte auf persönliche Anordnung des Vize-Premierministers Aserbaidschans, Ali Hasanov. Der Präsident der EIHRC flüchtete jedoch kurze Zeit nach Amtsantritt aus der Organisation. Hintergrund: Aserbaidschan soll über die European Information Human Rights Center (EIHRC) die antisemitischen und anti-israelischen Demonstrationen in Frankreich während des Gazza-Konflikts im Sommer 2014 finanziert haben. 

In Deutschland waren mit von der Partie, die national-religiösen türkischen Verbände Milli Görüs, DITIB, ATIB und UETD. 


"In recent months, the international media reported that the Azerbaijani officials in France have been involved in financing of anti-Semitism, and have created a European information and Human Rights Centre (EIHRC) especially for this purpose. A scandal broke out on this occasion. "The European Center for Journalists” (ECFJ) in its turn held a journalistic investigation on this topic, published on the official website titled “Is Azerbaijan preparing another Holocaust in Europe?" 
"As noted in the article, the head of the social and political issues of the Presidential Administration of Azerbaijan Ali Hasanov was supervising the activities of EIHRC from Baku. Initially this organization in Strasbourg was led by Harry Murey, a German lawyer, specialist in international law, who revealed interesting facts in an interview with ECFJ."
Scandal on anti-Semitism that is financed by Azerbaijani authorities in Europe is gaining momentum
http://www.panorama.am/en/politics/2014/12/20/azerbaijan-politics/

A significant role in the mission of EIHRC would have to include the organization of anti-Israel demonstrations and anti-Semitic propaganda. The EIHRC was tasked to establish close ties with Islamist and other fundamentalist organizations in order to further coordinate their activities in the scenario of worsening Azerbaijani-Israeli and Azerbaijani-American relations.
The Administration of the President of Azerbaijan funds anti-Semitic demonstrations in France http://groundreport.com/the-administration-of-the-president-of-azerbaijan-funds-anti-semitic-demonstrations-in-france/


From Garri Mourei, President of the European Information Centre on Human Rights in Strasbourg
http://en.president.az/articles/10727




Montag, 29. Dezember 2014

CDU NRW: Etikettenschwindel aufgeflogen

Die CDU versucht sich seit den 1990ern mittels ihrer Sonderorganisation Deutsch-Türkisches Forum (DTF) als Partei der sog. "konservativen" Türken zu etablieren. Mit "konservativ" sind im eigentlichen Sinne die nationalistischen und rechtsradikalen Türken gemeint, denn was für die SPD die linksnationalistischen Kemalisten waren, sollten für die CDU die rechtsradikalen Grauen Wölfe und die islamistische Milli Görüs sein. 
Armenier, Kurden, Aleviten, liberale Türken - Nicht willkommen! Denn deutsche Integrationspolitik hängt, nach der CDU, zugleich mit der deutschen Außenpolitik zusammen. Offenkundig werden die vielen Bürger mit "Migrationshintergrund" noch in der 2. und 3. Generation in Deutschland als "auswärtige Angelegenheit" behandelt. Die Sensibilitäten gegenüber Ankara verbieten daher einer staatstragenden Volkspartei, wie die CDU bisher eine war, einen offenen Umgang mit diesen demokratischen Gemeinschaften aus der Türkei, die für ihren Einsatz für Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit Diskriminierung, Verfolgung und Unterdrückung ausgesetzt sind. 

Erst nachdem eine öffentliche Diskussion - von eben jenen Liberalen angestoßen - die Liebesaffäre der CDU mit rechtsradikalen und islamistischen türkischen Kreisen aufdeckte, kam Bewegung in die Partei, insbesondere in die CDU NRW. Diese entschloss sich ihre Liebesbeziehung Mitte 2014 mit einem Etikettenschwindel zu versehen, indem sie das DTF kurzerhand in die neue Schnapsorganisation der CDU, die unter dem Namen Union der Vielfalt (UdV) firmiert, transformieren wollte. 

Die Rechnung wurde nur ohne den Wirt gemacht. Die DTF'ler wollen ihre Sonderorganisation nicht auflösen und wehren sich dagegen. Denn, warum sollten sie ihre türkische Sonderorganisation in der CDU aufgeben? Die UdV ist lediglich eine zweite Organisation quasi in Personalunion, bei der die UdV applaudieren kann, sobald das DTF sich zu einem Thema äußert und umgekehrt.

Der Etikettenschwindel flog bei soviel Krach natürlich auf. Vielleicht sollte sich die CDU NRW bei der SPD abgucken, wie man Integrationspolitik durch eine kluge Personal- und Themenpolitik betreiben kann. Bedauerlicherweise ist sie aus sich heraus nicht in der Lage dazu. 

"Doch Recherchen der "Welt" ergeben, das beim Übergang vom DTF zur UdV einiges seltsam gelaufen ist. Das DTF ist ein halbes Jahr nach der Gründungsveranstaltung nicht aufgelöst. Es wurde bisher kein Auflösungsbeschluss gefasst, dem immerhin drei Viertel der rund 300 Mitglieder zustimmen müssten. Die UdV wurde zwar, wie berichtet, im Sommer offiziell gegründet, doch es existiert noch keine gültige Satzung. Die UdV besitzt noch keine eigene Homepage, sondern verbreitet ihre Mitteilungen im Internet über die DTF-Plattform."
Die Tücken bei der "Mission Migrant" der CDU
http://www.welt.de/politik/deutschland/article135783097/Die-Tuecken-bei-der-Mission-Migrant-der-CDU.html

"Integration macht jedoch nur Sinn auf der Basis von Werten. Gerade die Gesprächspartner von Frau Giousouf zeigen aber, dass manche muslimische Akteure, die hierzulande als Sprecher eines europäischen Islam auftreten, andernorts Terror, Entrechtung und ethnische Säuberungen befördern. Wer diese Widersprüche hinnimmt, legitimiert die Falschen – nämlich jene, die die Hoffnung enttäuschen, dass sich aus gemäßigten Islamisten demnächst aufgeklärte Konservative entwickeln, wenn man sie nur einbindet."
Islamistische Terrorhelfer sind nicht integrierbar
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article135810775/Islamistische-Terrorhelfer-sind-nicht-integrierbar.html

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Unser Verlust ist groß - Wir trauern um unseren Freund Ralph Giordano



Unser Verlust ist groß – Wir trauern um unseren Freund Ralph Giordano

"Die Welt hat heute Morgen keine Ähnlichkeit mehr mit der von gestern.“ Diese bewegenden Worte stammten vom jungen armenischen Wissenschaftler Dr. Mihran Dabag, die er am Tag nach der Ausstrahlung der Dokumentation "Die armenische Frage existiert nicht mehr" am 21. April 1986 im ARD an Ralph Giordanos richtete. Es war bis dahin die erste Dokumentation überhaupt zu diesem Thema gewesen. Sie veränderte das armenische Leben in Deutschland. Ralph Giordano hatte ein Tabu gebrochen. 

Er hatte sich nicht von den Morddrohungen einschüchtern lassen und dem immensen Druck nachgegeben, der seitens türkischer Rechtsradikaler und 30 000 demonstrierender nationalistischer Türken gegen ihn und den WDR ausgeübt wurde. Er hatte sich nicht den Versuchen des türkischen Konsulats und Ankaras gebeugt, die Sendung aus dem Programm zu nehmen. Seine Menschenliebe, sein Gerechtigkeitsempfinden und sein unermüdlicher Einsatz für verfolgte Gemeinschaften ließen keinen Kompromiss, kein Nachgeben, kein sich beugen vor dem Unrecht zu. 

Geprägt durch seine Verfolgungserfahrungen als Jude durch die Nationalsozialisten wurden der Antisemitismus und Rechtsradikalismus seine Lebensthemen, die er in seinen autobiografischen Werken "Die Bertinis", und „Erinnerungen eines Davongekommenen“ der Nachwelt vermachte. 

Anteil nahmen wir aber auch an seiner Lebensfreude, seiner steten Neugier und seiner Liebe zu Tieren u.a. in seinem literarischen Werk „Der Wombat“. 

Ralph Giordano war eine moralische Instanz, ein Freund des armenischen Volkes und ein unermüdlicher Streiter für die Verfolgten und Unterdrückten dieser Welt. Sein größter Wunsch war es zum 100. Jährigen Gedenken des armenischen Genozids im nächsten Jahr in der Paulskirche am 24.April 2015 sprechen zu dürfen. 

Er verstarb gestern am 10.12.2014 im Alter von 91 Jahren. Unsere Trauer und unser Schmerz sind groß. Doch in unseren Herzen und in der Erinnerung der armenischen Gemeinschaft in Deutschland wird er ewig weiterleben. 

In stiller Trauer.

Dr. Nazareth Agheguian             RA'in Madlen Vartian
Vorsitzender                                     Stv. Vorsitzende




Mittwoch, 10. Dezember 2014

In memoriam Ralph Giordano


Heute verstarb mit Ralph Giordano (* 1923) ein Autor, der sich in herausragender Weise sowohl um eine kritische öffentliche Auseinandersetzung mit der weitgehenden juristischen und politischen Nichtaufarbeitung des Kriminalitätskomplexes der Genozidverbrechen Nazideutschlands in der Bundesrepublik Deutschland, als auch um das Gedenken des Genozids an den Armeniern in Anbetracht der türkisch-nationalistischen Politik der Leugnung verdient gemacht hat.* Im folgenden sei aus Anlass des Todes des streitbaren Demokraten und Antifaschisten ein Kommentar zur Beteiligung Giordanos an einer religionspolitischen Kontroverse des Jahres 2007 dokumentiert.

„Ich werde auch weiterhin auf meiner kulturellen Selbstbestimmung beharren, auf einer Lebensform, die die meine ist und die in mannigfacher Hinsicht mit der muslimischen nicht übereinstimmt. Und ich will das sagen dürfen, unbehelligt. Ich will sagen dürfen, dass ich auf deutschen Straßen weder Burka noch Tschador begegnen will, so wenig wie Muezzin-​Rufe von haushohen Minaretten hören.“

Diese Worte stammen nicht aus dem Munde eines völkischen Romantikers oder eines Klerikalkonservativen. Vielmehr stammen sie von dem deutsch-​jüdischen Schriftsteller Ralph Giordano, der in der deutschen Öffentlichkeit bisher mit dem Anliegen einer kompromisslosen Aufklärung über die Völkermorde der Nazis assoziiert wurde.

So prangerte Giordano etwa in seiner Buchveröffentlichung „Die zweite Schuld oder Von der Last Deutscher zu sein“ (1987) das weitgehende Fehlen einer adäquaten Ahndung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen durch die Justizorgane der Bundesrepublik Deutschland und den Rückgriff auf Funktionseliten des „Dritten Reiches“ in die Apparate der Exekutiv– und Legislativorgane des demokratisch reorganisierten (West-)Deutschland an, verschwieg aber auch nicht die geschichtspolitisch fatalen Auswirkungen des (...) „verordneten Antifaschismus“ der DDR.

Was weniger bekannt sein dürfte: Insbesondere in den 80er Jahren engagierte sich Giordano vehement für eine Aufklärung der bundesrepublikanischen Öffentlichkeit über den von der osmanischen Staatsführung ausgehenden Völkermord an den Armeniern 1915/​16, was dem zivilcouragierten Autor seitens türkischer Nationalisten wüsteste, antisemitische Beschimpfungen bis hin zu Morddrohungen eintrug.

Genau dies wiederholte sich nun im Zusammenhang mit Giordanos kritischen Stellungnahmen zu einem geplanten Repräsentativbau einer Moschee in Köln-​Ehrenfeld mit zwei 55 Meter hohen Minaretten – ein von allen etablierten kommunalpolitischen Kräften des sogenannten „Verfassungsbogens“ (Edmund Stoiber) kritiklos mitgetragenes Projekt, das Giordanos Auffassung nach eine Integration der Muslime vortäusche, die tatsächlich nicht gelungen sei:

„Meine Forderungen an die politische Leitung der Stadt Köln, die Pläne zum Bau einer zentralen Großmoschee in Köln-​Ehrenfeld einzustellen, weil sie angesichts der gescheiterten Integration ein falsches Bild von den wahren Beziehungen zwischen muslimischer Minderheit und Mehrheitsgesellschaft entwerfen, haben mir Morddrohungen eingebracht, unmissverständlich und in türkischer Sprache – womit ich diesen Teil der muslimischen Minderheit nicht unter Generalverdacht stellen will.“

Der islamische Ansprechpartner der städtischen Behörden beim Bau der Großmoschee ist die Türkisch-​Islamische Union (Ditib), die unter der Kuratel der – ursprünglich säkularistisch ausgerichteten, mittlerweile jedoch „fundamentalistisch“ durchsetzten – Religionsbehörde des türkischen Staates, Diyanet Isleri Baskanligi, steht.

Der Moscheebau-​Kritiker Giordano hat sich (...) aus multikulturalistischer Sicht des Vergehens schuldig gemacht, aus der „ethnischen“ Nische, die man hierzulande einem überlebenden Juden gern zugesteht, herauszutreten und als deutscher Bürger Partei zu ergreifen (...). In diesem Sinne verwies der Kölner CDU-​Oberbürgermeister Fritz Schramma expressis verbis auf das Verfolgtenschicksal Giordanos, um sein Unverständnis über dessen islampolitischen Standpunkt zum Ausdruck zu bringen, nach der Devise: Wem die Nazis das Recht auf Leben absprachen, der muss aus der Geschichte lernen – und islamistische Herrschaftsansprüche unterstützen.

Daniel Leon Schikora

* Die Jüdische Allgemeine würdigt ihren dienstältesten Kollegen Giordano hier: http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/20981.

Freitag, 24. Oktober 2014

Ara Güler- Ausstellung im Willy-Brandt-Haus Berlin vom 16.10.2014 bis 15.01.2015

Istanbul 1954
Der Armenier Ara Güler ist der berühmteste zeitgenössische Fotograf der Türkei. Auf Initiative des SPD-Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan findet vom 16.10.2014 bis 15.01.2015 im Willy-Brandt-Haus in Berlin eine Ausstellung seiner Bilder über das "alte Istanbul" statt. 
Absolut sehenswert!

"Das Auge Istanbuls - Retrospektive von 1952 bis 2013" 
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 12 bis 18 Uhr
Eintritt: frei (Ausweis erforderlich)


"Recep Tayyip Erdogan verehrt ihn, umgekehrt hat Güler keine allzu gute Meinung über den Staatspräsidenten. "Als ich mal einen Preis verliehen bekommen habe, hat Erdogan mich fotografiert. Er ist sogar vor mir auf die Knie gegangen." Über Erdogans Umgang mit Kritikern, mit Journalisten und mit den Gezi-Demonstranten ist er enttäuscht."
 Fotograf Ara Güler: Istanbul, meine Liebe
http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/fotograf-ara-gueler-istanbul-meine-liebe-a-997147.html